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Tatort-Sicherung : Wie smart darf Spielzeug sein?

  • -Aktualisiert am

Smartes Spielzeug ist nicht gefährlich, aber entwicklungspsychologisch problematisch und mit Sicherheit ein Privacy-Desaster. Man muss ja davon ausgehen, dass Kinder solche smarten Geräte nicht auf dieselbe Weise nutzen, wie es Erwachsene mit Diensten wie Apples Siri oder Amazons Alexa tun. Ein Kind im Vorschulalter kann die technischen Abläufe nicht nachvollziehen. Falls die ausgegebenen Antworten tatsächlich sinnvoll zu den Fragen passen, kann ein Kind verführt sein, einen ausführlichen Dialog mit der Puppe zu führen, und über die eigene, aber auch über die Situation der Familie oder der Freunde sprechen. Dabei kann es ungewollt und unwissentlich private und intime Grenzen überschreiten. Über die App können diese Geschichten einem spezifischen Account zugeordnet, aggregiert und für zielgerichtete Werbung oder andere Formen der Einflussnahme oder Datenerhebung missbraucht werden.

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Frage 4: Die Kommissare Batic und Leitmayr kommen während der Ermittlungen einer Gruppe von ehemaligen Missbrauchsopfern auf die Spur. Diese verschenken Smartpuppen an Kinder, bei denen sie vermuten, dass sie zu Hause sexuell missbraucht werden. Mit den Puppen spioniert die Gruppe die Kinderzimmer aus und „bestraft“ anschließend die Täter. Wie kann man auf legalem Weg helfen, wenn man (zum Beispiel als Nachbar, Lehrer, Betreuer…) den Verdacht hegt, dass in einer Familie ein Kind missbraucht wird?

Antwort von Eva Götz (Stadtjugendamt München):

Wer den Verdacht hegt, dass in einer Familie ein Kind missbraucht wird, kann sich neben der Polizei auch an das Jugendamt wenden. Die Jugendämter haben gemäß Paragraf 1 Absatz 2 im SGB VIII das sogenannte staatliche Wächteramt. Jede Meldung zu Verdacht auf Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellen Missbrauch wird ernst genommen.

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Frage 5: Wie sehen dann die weiteren Schritte aus?

Antwort von Eva Götz:

Jeder Einzelfall ist unterschiedlich, aber es gibt ein standardisiertes Verfahren, nach dem jede Meldung im Vier-Augen-Prinzip besprochen wird und die nächsten Schritte festgelegt werden. Dies erfolgt nach einem Wenn-Dann-Schema. In der Regel erfolgen zunächst Gespräche mit dem Melder oder der Melderin. Je nach Einzelfall (inner- oder außerfamiliär) und nach Gehalt der Meldung muss immer wieder im Vier-Augen-Prinzip entschieden werden, ob und wann (auch wo) mit dem Kind oder dem vermutlich nicht missbrauchenden Elternteil gesprochen werden kann.

Nicht jeder Verdacht kann sofort abgeklärt werden. Oft sind die Hinweise nicht eindeutig und der Verdacht muss bestätigt oder falsifiziert werden. Die Fachkräfte müssen behutsam vorgehen, um nicht falsche Verdächtigungen auszusprechen oder Schutzinterventionen für das Kind zu verhindern, weil die Familie sich zurückzieht. Falls eine Beratung aufgrund einer Not- und Konfliktlage notwendig ist und die Kenntnis des Sorgeberechtigten den Beratungszweck vereiteln würde, hat das Kind einen rechtlichen Anspruch auf Beratung ohne das Wissen des Sorgeberechtigten. Im Falle einer eindeutigen Beobachtung, Aussage oder Bewertung durch mehrere Fachkräfte ist der Schutz des Kindes zu gewährleisten. Das bedeutet eine Trennung von dem vermuteten Missbraucher beziehungsweise der vermuteten Missbraucherin. Dann wird wieder nach Einzelfall entschieden, ob das Kind vom anderen Elternteil geschützt und beispielsweise in einem Frauenhaus oder bei Verwandten untergebracht werden kann oder der missbrauchende Elternteil aus der Wohnung verwiesen wird. Kann das Kind nicht vom Elternteil geschützt werden, wird es von Polizei und Jugendamt an einen sicheren Ort gebracht. Dies erfolgt auch, wenn das Kind selbst um Schutz bittet.

Nach beiden Schritten und dem gesicherten Schutz des Kindes, gegebenenfalls auch der anonymen Unterbringung, werden die Sorgeberechtigten immer darüber informiert, dass das Kind sich in staatlicher Obhut befindet. Abhängig vom Einzelfall erfolgen weitere Hilfen, gegebenenfalls auch für Geschwister oder den nicht missbrauchenden Elternteil. Das Jugendamt wirkt auch in familiengerichtlichen Verfahren mit, berät und unterstützt bei polizeilichen Meldungen, stellt psychosoziale Prozessbegleitung. Selbstverständlich wird das Jugendamt die weitere Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen im Blick behalten und Schutz, Hilfe und Unterstützung gewährleisten.

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