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André Heller : Von diesem Mann hängt Österreichs Schicksal ab

Eine erlesene Auswahl von Journalisten in Hellers Garten

Was treibt Weinzierl an? Interessanterweise hatte schon Monate vor Erscheinen von Hellers Roman der bekannte österreichische Publizist und Fernsehmoderator Peter Huemer beim „Falter“ angeklopft, um „Das Buch vom Süden“ zu rezensieren. Nüchtern lehnte ab. Huemer ist ein heller Kopf, aber als Literaturrezensent hatte er sich bislang nicht hervorgetan. War es schon ungewöhnlich genug, dass die Chefredaktion des „Falters“ Weinzierls „offenen Brief“ abdruckte als Artikel, nicht bei den Leserbriefen, so ging kurz darauf beim Wiener „Standard“ die Anfrage eines Autors ein, der nach dem dort publizierten Verriss einen weiteren Artikel zu Heller verfassen wollte: Peter Huemer. Im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigt der ehemalige Moderator der legendären ORF-Sendung „Club 2“, dass er plane, im Juli, wenn auch Heller in Österreich sei, im „Standard“ das Phänomen Heller, „ein einmaliger Publikumsmagnet“, in einem Text zu erörtern.

Über das Phänomen Heller hatte auch der Grazer Philosoph Peter Strasser geschrieben, seit Jahren ständiger Mitarbeiter der Wiener „Presse“. Vor Wochen hatte er dort den Auftrag erhalten, Hellers Werk zu rezensieren. Seine ausgewogene Kritik, die über Hellers überquellende „Wortideendschungelprosa“ ebenso schreibt wie darüber, dass Heller durchaus zu unterhalten wisse, ergründet überdies die Mechanik von Hellers Wirken als „Mister Bombastik der Seelenwunderkammerromantik“.

Der Artikel ist nie erschienen. Stattdessen erreichte Strasser die Nachricht, die Chefredaktion wünsche den Artikel nicht im Blatt und werde sich dazu noch schriftlich äußern. Schon dass die Zeitungschefs sich Strassers Stück „Schnakerln aus dem Süden“ hatten kommen lassen, ist außergewöhnlich. Peter Strasser wollte den letzten Schritt, Absage, seinerseits nun nicht mehr abwarten, wie er im Gespräch erzählt, und zog seine Rezension zurück. Sie wird an anderer Stelle erscheinen.

Mit Gärtnerei nicht ausgelastet

Als wäre das alles nicht schon genug, hat André Heller wenige Wochen vor Erscheinen seines Romans eine Handvoll Wiener Journalisten in seinem Anwesen in Marrakesch empfangen, wo er inzwischen lebt. Natürlich könnte man André Heller problemlos in Wien treffen, um mit ihm über seinen neuen Roman zu sprechen. Aber die Journalisten reisten natürlich nach Marrakesch, weil André Heller dort soeben seine Gartenanlage „Anima“ eröffnet hat, was ein Echo in zahlreichen Fernseh- und Print-Interviews gefunden hat – zum Garten und zum Roman.

Der Literaturkritiker der „Kleinen Zeitung“ Frido Hütter erklärt es allen: „Wie Sie vielleicht bemerkt haben“, teilt er seinen Lesern mit, „war ich ein paar Tage in André Hellers zauberhaftem Anwesen etwas südlich von Marrakesch zugange. Über den dort befindlichen Traumgarten Anima habe ich gestern berichtet. Doch ein Heller ist mit Gärtnerei nicht ausgelastet, Anfang Mai erscheint sein erster ,echter‘ Roman, ,Das Buch vom Süden‘. Da wir einander seit Jahren zugetan sind, ließ er mich schon einmal ein bisschen darin schmökern.“ Und raten Sie jetzt mal, zu welchem Urteil er dann über das Buch des herzlich zugetanen Freundes gekommen ist? Logisch, zu einem zauberhaften.

Ulrich Weinzierl hat derweil gar die Zukunft Österreichs an das Schicksal von André Hellers Roman geknüpft: „Wer ,Das Buch vom Süden‘ verstanden hat (das ist wohl leider eine Minderheitenfeststellung), kann am 22. Mai nicht den Falschen wählen.“ Wie fragte der in diesem Fall einschlägige Karl Kraus, dessen Bücher sich auf dem Regal des Kollegen umgedreht haben müssen: „Den Leuten ein X für ein U vormachen – wo ist die Zeitung, die diesen Druckfehler zugibt?“

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