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Der Naturschützer Douglas Tompkins : Der Schutzmann

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Die Erde kommt zuerst: Douglas Tompkins Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Douglas Tompkins gründete die Modemarke Esprit. Als er seine Anteile verkaufte, war er hundertfacher Millionär. Mit dem Geld schuf er in Patagonien das größte private Naturschutzgebiet der Erde. Er dachte, er könne die Welt retten, indem er sie kauft. Inzwischen ahnt er, dass sie dafür zu groß ist.

          Dann neigt er den Kopf zur linken Schulter, die Hände, als umfingen sie ein Kind, hebt er vor die Brust, und Douglas Tompkins, Millionär am Ende der Welt, sagt leise: „Wer je ein Ameisenbärbaby in seinen Armen hielt, wird nichts als traurig.“Ja, sagt der Mann, der 900.000 Hektar Land besitzt, Wälder, Flüsse, Seen, Berge, Vulkane, groß wie halb Sachsen, ja, Trauer sei das Gefühl, das ihn bestimme. Auch Wut auf alles, was die Welt zerstöre, die Vielfalt der Arten, die Erde überhaupt.

          Douglas Tompkins, Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, das Haar längst weiß, die Füße nackt, sitzt in seinem Büro am Fuß des Volcano Michinmahuida und schützt Natur, es ist Sommer, Wind rüttelt am Haus in der patagonischen Wildnis, Chile. Keine Straße führt hierher, kein Pfad, nur der Weg übers Wasser. Wer zu Tompkins will, tut es am besten bei Flut. Dann reicht der Fiordo Reñihué fast vors Haus. Wer bei Ebbe anreist, hat die Stiefel bald voll mit schmierigen schwarzen Muscheln.

          Genug, um Gutes zu tun

          Hier, 42 Grad und 20 Minuten südlicher Breite, geschützt von Farn, der höher ist als ein Mensch, umbettet von riesigem Rhabarber, von Regenwald und dreitausendjährigen Zypressen, ist Tompkins’ Welt, hier lebt der Einsiedler seine Sommer seit 18 Jahren, seit – wie er es nennt – seinem Ausbruch ins wirkliche Leben. Das begann, als er, Herr über Tausende von Filialen in sechzig Ländern der Erde, sein Teil am Modehaus Esprit verkaufte, das er zusammen mit der ersten Ehefrau besaß – für 125 oder 250 Millionen Dollar, je nach Quelle. Wie viele waren es tatsächlich? „Genug, um Gutes zu tun.“

          Frau und Firma entkommen, flog Tompkins 1990 in einer kleinen Cessna nach Patagonien, wo er oft schon gewesen war. Er war entzündet von der Wahrheit, das Leben verpasst zu haben, ein Jammerdasein, das sich darin erschöpft hatte, ständig mehr zu besitzen, Geld und Macht, Dinge herzustellen, die niemand wirklich brauchte, neue Hemden im Frühjahr, neue Röcke im Herbst, neue Hosen im Winter, neue Blusen im Sommer.

          Die Erde zuerst

          Einem Schweizer, der nie in Südchile lebte, kaufte Tompkins eine Schaffarm ab und die Wälder, die sie umflossen, Reñihué in der zehnten Region, 17.000 Hektar für 700.000 Dollar. Tompkins zog in das alte schiefe Haus und lebte ohne elektrischen Strom, ohne Telefon. Gebälk. Den größten Teil seines Reichtums steckte er in eine Stiftung, die er zuerst Foundation for New Thinking nannte, schließlich Foundation for Deep Ecology.

          Müde sitzt der Mann auf einem hölzernen Stuhl, stemmt das linke Knie gegen die Kante des Tischs, dann das rechte, und stottert Antworten. „Deep Ecology, einfach gesagt, meint Earth first, die Erde zuerst. Nicht der Mensch ist das Maß der Dinge, sondern alle Wesen, ob belebt oder unbelebt. Der Planet als Ganzes ist ein Lebewesen. Und der Mensch, ein Detail, ist zwar berechtigt, die Erde und was auf ihr ist, zu nutzen, damit er nicht hungert und nicht friert. Aber das ist bereits alles.“

          In der Höllenmaschine des Kapitalismus

          Damit, Douglas Tompkins, verbieten Sie die Häufung von Waren, von Geld und Macht, Sie verbieten Luxus und Kunst? „Wie weit haben wir es denn gebracht mit unserer bisherigen Sicht auf diese Welt? Tag für Tag sterben 134 Tiere und Pflanzen aus, jeden Tag wird eine Fläche von tausend Fußballfeldern verbaut. Der Computer, die Elektronik ist das wichtigste Werkzeug der Erdzerstörung, der Globalisierung, der Beschleunigung und also des Untergangs.“

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