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Der Kunstraub in Rotterdam : Wie die gelbweiße Dame verschwand

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Fälschungen und Rekordpreise

Die sieben gestohlenen Werke stammen aus der Triton Collection, die das niederländische Unternehmerpaar Willem und Marijke Cordia seit Jahrzehnten zusammengetragen hatte. Einzelne Bilder hatten sie als Leihgaben dem Van- Gogh-Museum in Amsterdam zur Verfügung gestellt; andere wurden in exquisiten, vom langjährigen Kurator Peter van Bevern zusammengestellten Ausstellungen im Gemeentemuseum Den Haag gezeigt. Lange Zeit wussten nur Eingeweihte, wer sich hinter „Triton“ verbarg. Die Cordias und ihre Familie schützten ihre Privatsphäre - und damit auch ihre Kunstschätze.

Aber mit dem Beltracchi-Skandal kamen die Besitzverhältnisse dann doch an die Öffentlichkeit: In der Londoner Galerie Waring Hopkins hatte Cordia einen falschen Max Ernst, aus anderer Quelle ein falsches Frauenporträt Van Dongens gekauft. Vor allem die Entlarvung dieses Bildes, das in seinem Apartment in New York hing, als Fälschung schmerzte Cordia sehr.

Seinen anderen Van Dongen, das um 1910 entstandene Bildnis „La Gitane“, hatte er im Februar 2010 bei Christie’s in London für den Rekordpreis von 7,1 Millionen Pfund versteigern lassen. Dem Vernehmen nach verzichtete das Auktionshaus damals sogar auf die übliche Einliefererkommission, um das Bild zu bekommen. Danach galt Cordia der von Beltracchi verfertigte „Frauenakt mit Hut“ nach eigenem Bekunden als liebstes Werk seiner Sammlung.

Die erste Gesamtschau der Cordias

Die schon erwähnte lesende blaue Dame von Matisse hatte er im Jahr 2000 über die Zürcher Galerie Römer aus der Sammlung der Stiftung Emil Georg Bührle erworben; deren Satzung ließ damals noch Verkäufe zu. Es dauerte lange, den niederländischen Sammler davon zu überzeugen, seine Sammlung erstmalig im Zusammenhang zu zeigen - eben in Rotterdam, der Stadt, die ihn reich gemacht hat.

Als Willem Cordia, den man in seiner Heimat den „Baron des Rotterdamer Hafens“ nannte, im März 2011 als einer der reichsten Männer der Niederlande starb, übernahm seine Frau das Projekt. Der Sammlungskurator Peter van Bevern wurde kurzerhand entlassen. Erst vor wenigen Tagen erschien der Gesamtkatalog der Triton Collection. Gleichzeitig wurden hundertfünfzig Werke der Sammlung zum ersten Mal als Gesamtschau in der Rotterdamer Kunsthalle gezeigt.

Die Diebe müssen die acht Tage seit der Eröffnung genutzt haben, um die Position der Bilder in den Räumen zu recherchieren. Dass die Rotterdamer Kunsthalle zahlreiche gläserne Außenwände hat, hinter denen die Werke ohne Zwischenschutz gut sichtbar hingen, dürfte ihnen sehr geholfen haben. Trotzdem spricht vieles für einen „Insider-Job“, bei dem feste oder freie Mitarbeiter des Ausstellungshauses den Tätern geholfen haben könnten. Bei Kunstdiebstählen in der Vergangenheit - etwa dem Raub zweier Turner-Gemälde 1994 aus der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt oder dem Einbruch ins Van-Gogh-Museum 1991 - waren Mitarbeiter beteiligt. Die Polizei wertet nun die Aufnahmen der Überwachungskameras aus, um festzustellen, ob Mehrfachbesucher aufgefallen sind.

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