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Thomas Gaehtgens achtzig : Von Notre-Dame nach Los Angeles

Wie er mit Studenten und Stipendiaten an der FU und in Paris vieles entspannt bei einem Glas Wein besprach, so hier in einem Berliner Biergarten: Thomas Gaehtgens´ Interview nach der Berufung zum Direktor des Getty Research Institute in Los Angeles, in dem er sich zur neuen Aufgabe und seinen Plänen äußerte. Bild: Thiel, Christian

Brückenbauer und Malerhistoriker: Thomas Gaehtgens gründete das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris und leitete zehn Jahre lang das Getty Center in Los Angeles. Erinnerungen anlässlich seines achtzigsten Geburtstags.

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          Wie kaum ein anderer seines Fachs schlägt der in Leipzig geborene Kunsthistoriker Thomas Gaehtgens mit seinen Publikationen und Initiativen immer wieder Brücken zwischen den Nationen, vor allem zwischen Deutschland und Frankreich. Die in Kürze erscheinende Publikation gehört Notre-Dame, die nicht nur Kathedrale ist und Königskirche war, sondern ein französisches Nationaldenkmal darstellt wie Versailles, Residenz der französischen Könige. Zwischen dem großen Bildband über Versailles und dem im Umfang vergleichsweise bescheidenen historischen Rückblick auf Notre-Dame liegen rund vierzig Jahre, die Gaehtgens’ enge Verbindung zu Frankreich belegen. Seiner Initiative verdankt sich das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris, dessen Gründungsdirektor er 1997 wurde. Auch als er 2008 die Direktion des Getty Research Institute in Los Angeles übernahm, ging es ihm um die Kraft der Kunst, Grenzen zu überwinden. Als letzte Publikation erschien dort sein Buch „Reims on Fire – War and Reconciliation between France and Germany“, das danach in französischer und deutscher Fassung erschien (F.A.Z. vom 19.September 2018). „Die brennende Kathedrale – Eine Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg“ wurde wieder zu einer Publikation, die der Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland gilt.

          Olymp der Kunstgeschichtsforschung: Luftaufnahme des vom Architekten Richard Meier errichteten Getty Center Los Angeles, Sitz des John Paul Getty Trusts, des gleichnamigen Museums für Weltkunst, des Getty Research Institute und des Getty Conservation Institute für komplexe Restaurierungsfragen.
          Olymp der Kunstgeschichtsforschung: Luftaufnahme des vom Architekten Richard Meier errichteten Getty Center Los Angeles, Sitz des John Paul Getty Trusts, des gleichnamigen Museums für Weltkunst, des Getty Research Institute und des Getty Conservation Institute für komplexe Restaurierungsfragen. : Bild: dapd

          Als Leiter des Getty Center im Olymp ohne abzuheben

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Seinem großen Bildband „Versailles“ hatte Gaehtgens einstmals einige Zitate vorangestellt, von Voltaire, Victor Hugo, Anatole France. Der entscheidende Satz aber stammt von Auguste Thierry: „Der Historiker muss vor allem ein Maler sein.“ Das zeichnet Gaehtgens’ Leidenschaft für die Kunstgeschichte aus. Sie ist nicht trockene Wissenschaft, sondern lebendige Auseinandersetzung mit der Kunst durch die Jahrhunderte, auch mit der modernen und zeitgenössischen.

          In den zehn Jahren als Direktor des Getty Research Institute in Los Angeles baute Gaehtgens auf diesen Erfahrungen auf. Nicht zuletzt durch die grandiose Lage des Instituts auf einem Hügel als Olymp der Wissenschaften mit einem Rundumblick auf Los Angeles und den Pazifik weitete sich der Blickwinkel. Das Programm fußte auch auf den Begegnungen mit anderen Kulturen, unter anderen den in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen präkolumbischen Hochkulturen Mittelamerikas und zur anderen Pazifikseite zu den kulturellen Verbindungen nach Asien. „Connecting Seas“ war eine dieser faszinierenden und programmatischen Ausstellungen zum Thema „Begegnungen“ – einem Schlüsselwort für einen Kunsthistoriker wie Thomas Gaehtgens, der heute achtzig Jahre alt wird.

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