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Der Kluftingerkrimi „Milchgeld“ im Ersten : Dieser Mann will nicht gefallen

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Kluftinger (Herbert Knaup) muss niemanden mehr beeindrucken, er will eigentlich nur seine Ruhe Bild: dapd

Kommissar Kluftinger aus Altusried ist der Antityp des klassischen Fernsehermittlers. Herbert Knaup macht aus der Romanfigur einen Charakter, den man gesehen haben muss.

          Wir sehen vier Männer in blauen Janker-Trachten, mit Hut und Instrumentenkoffern brav wartend auf einem Dorfplatz mitten im Allgäu. Nur Weiden, Bäume und Bauern gibt es hier. Kommissar Georg Kluftinger (Herbert Knaup) rollt bedächtig in seinem alten silbernen Passat vor, schält sich mühsam heraus. Die Menschenkapelle drängt sich hinein; als gerade alle schmerzverzerrt und verschachtelt zwischen den bauchigen Instrumenten Platz genommen haben, klingelt das Handy des Kommissars: „I hob a Leichsach, ihr müsst an Bus nehmen.“ Lautes Stöhnen.

          Wir sehen: Das Leben von Georg Kluftinger ist hart, und sein Umfeld hat darunter zu leiden. Das galt schon für die erste Verfilmung des Romans „Erntedank“ von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Im zweiten Teil unter der Regie von Rainer Kaufmann (Drehbuch Stefan Holtz und Florian Iwersen) kommt es wieder ganz dicke für den schluffigen Kommissar aus dem beschaulichen Ort Altusried. Kluftinger fällt bei einer Verfolgungsjagd in ein Grab, und das ganze Dorf schaut zu.

          War es der Kollege?

          Er muss sich die Kaasspatzen selbst machen, weil seine Frau Erika (Margret Gilgenreiner) ohne ihn in Urlaub gefahren ist. Und dann zwingt ihn sein Erzfeind Dr. Langhammer (August Zirner) noch dazu, Quiche zu backen, die ihm im Mund rumkrümelt. Wenn man ihm beim Versuch, Lauch zuzubereiten, sieht, fühlt man nur Mitleid mit dem Gutmütigen. Und wenn sich dann auch noch der pensionierte Polizist und Vater (ein großartiger Tilo Prückner) mit dem pedantischen Kollegen Richard Maier (Johannes Allmayer) verbündet, ist Kluftingers Unglück perfekt.

          Aus diesem Chaos, untermalt von herrlich ironischer und heiterer Musik von Dieter Schleip, formt sich ein süchtigmachender Krimistoff. In Kluftingers Heimatort (das kommt ihm gerade recht, denn er verlässt sein Dorf nur ungern) wurde der Betriebsleiter der örtlichen Molkerei erdrosselt. Waren es die Russen? Ein Kollege? Oder ein Einbrecher?

          Rücksichtslos: Um die Wahrheit herauszufinden legt sich Kluftinger natürlich ins Zeug Bilderstrecke

          Kluftinger geht natürlich rücksichtslos vor, um die Wahrheit herauszufinden. Da werden auch die Nachbarn im Dorf nicht geschont. Und so kommt es, dass er der Reihe nach alle, seinen Vater eingeschlossen, gegen sich aufbringt. Ein Zustand, der Kluftinger gar nicht bekommt; liebt er es doch gemütlich und harmonisch. Robert Bartsch (Urs Fabian Winiger), Lebensmitteltechniker in der Molkerei, gerät unter Verdacht und verschwindet. Liebevoll sind die Charaktere, einer skurriler als der andere, in Szene gesetzt. Ein Besuch von Kluftinger und Roland Hefele (Jockel Tschiersch) bei Bartschs Tante (Elisabeth Kees) ist ein Höhepunkt schwarzen Humors.

          Was macht den besonderen Reiz dieses kauzigen Kommissars aus? Wenn Kluftinger geht oder rennt, dann immer breitbeinig, stampfend; sein brauner, unförmiger Lederjanker gehört zu ihm wie seine fusseligen Haare. Der große Mann mit kleiner runder Glatze und ausladendem Bauch ist so schräg, dass er in seiner trotteligen Sturheit auch wirkt wie einer, den sich niemand hätte ausdenken können. Herbert Knaup spielt einen Mann, der nicht gefallen will. Und das gefällt.

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