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Trudeau als Aladdin : Arabische Nächte sind heiß

  • -Aktualisiert am

Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, gibt eine Erklärung zu dem Foto ab, das ihn mit dunkel geschminktem Gesicht zeigt. Bild: dpa

Der kanadische Premier Justin Trudeau wird von der vermeintlich hehren Moral eingeholt, die er sonst gern predigt. Vor achtzehn Jahren hat er sich als Aladdin kostümiert. Dafür geißelt er sich nun selbst.

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          „Arabische Nächte sind, wie jeder hier weiß, viel heißer als heiß“, trällerte man fröhlich-naiv in Disneys Zeichentrickfilm „Aladdin“ 1992, der vor ein paar Monaten Wiederauferstehung mit Schauspielern in den Kinos feierte – und keine Kontroversen auslöste wie die kommende Neuauflage von „Arielle“ mit einer dunkelhäutigen statt blassen Meerjungfrau. Im Zeitalter der Identitätspolitik ist die Welt auch für Kunstfiguren ein komplizierter Ort geworden.

          Deshalb erlebt Justin Trudeau gerade seinen ganz persönlichen Realfilm in Sachen Retromode mit Rollentausch: Der kanadische Premierminister, selbst nimmermüder Apostel der politischen Korrektheit, wurde vom „Time Magazin“ geoutet. Das zeigte ein achtzehn Jahre altes Foto, auf dem Trudeau als Teilnehmer einer Kostümparty unter dem Motto „Arabische Nächte“ zu sehen ist. Der damals Neunundzwanzigjährige ist als Aladdin verkleidet, trägt einen Turban und hat sich das Gesicht dunkel angemalt.

          Kein rheinischer Karnevalist würde sich deshalb ins Schwert stürzen, schon gar nicht im Rückblick auf Jahrzehnte, in denen die Sensibilitäten andere waren als heute, aber in Nordamerika gilt „Blackfacing“ inzwischen als schwere politische Sünde – von der es keine Lossprechung mehr geben kann.

          Das umstrittene Foto in einem Screenshot von Twitter

          Dass ausgerechnet Trudeau, der angefangen von der geschlechtsneutral umgedichteten kanadischen Nationalhymne keine symbolpolitische Gelegenheit zur Förderung der Gendergerechtigkeit und des Antirassismus auslässt, dieser Sünde überführt wird, hat schon eine ganz eigene Ironie.

          Es ist Wahlkampf in Kanada, Trudeau tut, was die von ihm konditionierte Klientel erwartet: Er wirft sich in den Staub, entschuldigt sich und sagt, das sei schlimm von ihm gewesen und „rassistisch“. So ist das, wenn die Moral, die ein vermeintlich Unbefleckter als reine Lehre predigt, auf ihn selbst zurückfällt. Dabei wäre die Enthüllung des Auftritts als Möchtegern-Araber die Gelegenheit, sich etwas lockerer zu machen, statt die moralische Messlatte auf immer absurdere Höhen zu legen. Aber dafür sind die arabischen Nächte wohl auch in Kanada zu heiß.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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