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Autor Yukio Mishima : Vom Streben und Sterben

  • -Aktualisiert am

Yukio Mishima am Tag seines Todes Bild: AFP

Vor fünfzig Jahren wählte der japanische Schriftsteller Yukio Mishima den öffentlichen Freitod. Noch heute arbeiten sich Autoren wie Regisseure an ihm ab.

          9 Min.

          Ein Leben wie ein Roman. Ein Abgang als Fanal. Derartiges hatte die Welt noch nicht gesehen. Seppuku, im Westen Harakiri genannt, ein grausames Ritual der Selbsttötung durch eigenhändiges Aufschlitzen des Unterleibs mit anschließender Enthauptung durch einen Sekundanten, wie man es vage aus Samurai-Geschichten kannte. Dazu mit Ansage. Minutiös geplant und schon Jahre zuvor eigenhändig und mit ihm selbst als Hauptdarsteller filmisch umgesetzt.

          Vor fünfzig Jahren, am 25.November 1970, dringt Yukio Mishima, einer der prominentesten japanischen Schriftsteller der Nachkriegszeit, in das Hauptquartier der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in Tokio ein, ruft die auf dem Hof versammelten Soldaten zum Staatsstreich auf und begeht anschließend in dem Gebäude Seppuku. Das Foto vom Autor in seiner selbstentworfenen militärischen Uniform, wie er auf der Balustrade stehend mit großer Geste seine Botschaft zur Rettung japanischer Werte vor Nihilismus und Konsumorientierung verkündet, die vom Lärm der darüber kreisenden Helikopter und dem spöttischen Geschrei der Menge verschluckt wurde, ging um die Welt und machte ihn schlagartig bis in die letzten Winkel des Globus bekannt.

          Die japanische Öffentlichkeit reagierte mit Entsetzen und Ratlosigkeit. Den ersten offiziellen Kommentar gab der Premierminister ab, nachdem er gerade in Anwesenheit des Tenno die neue Legislaturperiode im Parlament eröffnet hatte: Mishima sei wohl verrückt geworden. Doch ob man nun, je nach politischer Selbstverortung, in der Erklärungsnot beim Muster „Wahnsinnstat eines durchgeknallten Geistes“ verharrte oder von Ultranationalismus als Vorwand für das Ausleben bizarrer ästhetischer Ideale sprach – so recht konnte sich niemand vorstellen, dass Mishima selbst an das glaubte, was er als Grund für sein als Selbstopfer inszeniertes grausiges Schauspiel ausgegeben hatte.

          Eine Lawine an Deutungsversuchen

          Seither zelebrierten zwar, mit zunehmend geringer werdender öffentlicher Sichtbarkeit, ultrarechte Splittergruppen alljährlich Mishimas Todestag, doch nachdem sich die aufgewühlte Stimmung gelegt hatte, zog man es vor, den Autor und dessen Wirken erst einmal ad acta zu legen. Die Ruhe währte indes nicht lange. Dazu hatte Mishima zu viele Spuren hinterlassen und Fragen aufgeworfen. Schon bald setzte in Japan eine Lawine an Deutungsversuchen ein, bereits in den frühen siebziger Jahren erschienen erste Mishima-Biographien auf Japanisch und Englisch, und seither verzeichnen wir immer neue Wellen einer Mishima-Mode. Im 21.Jahrhundert erleben seine Bücher nun ein internationales Comeback. Wer war dieser Mensch? Und weshalb beschäftigt er die Nachwelt immer noch?

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