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Autor Yukio Mishima : Vom Streben und Sterben

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„Geständnis einer Maske“

Wenn man bedenkt, welchen Skandal Gore Vidals 1948 erschienener Roman „The City and the Pillar“ (auf Deutsch: „Geschlossener Kreis“, 1986) gerade erst in den Vereinigten Staaten ausgelöst hatte, wo Vidal jahrelang nur noch unter Pseudonym veröffentlichen konnte, so mag es überraschen, dass die japanische Kritik Mishimas Tabubruch 1949 weit gelassener goutierte und dem jungen Autor bei allem Narzissmus vor allem gehöriges literarisches Talent bescheinigte. Und obwohl sich starke Fürsprecher in amerikanischen Verlagen für die von Mishima erwünschte englische Übertragung des Romans einsetzten, brauchte es mehr als acht Jahre, bis dieses Werk dank der mutigen Entscheidung einer Lektorin auch für eine Leserschaft in den Vereinigten Staaten zugänglich wurde – so groß war dort immer noch die Furcht vor dem Skandal.

Indessen blieb Mishima keineswegs beim Genre der später sogenannten gay novel stehen, sondern bediente ein denkbar breitgefächertes Feld an Themen, Formen und Stillagen. Durchgängig schrieb er für das Theater: Lustspiele und Tragödien, Satirisches und Historisches. Am häufigsten aufgeführt wurden seine modernen No-Stücke. Aber auch Dramen wie „Madame de Sade“ oder „Mein Freund Hitler“ erlebten Erfolge auf internationalen Bühnen. In seinen Romanen griff er wiederholt Ereignisse des Zeitgeschehens auf. Ein weiteres Meisterwerk, „Der goldene Pavillon“, philosophische Erzählung und Allegorie auf das Japan der Nachkriegszeit in einem, verarbeitet die Brandstiftung eines jungen Mönchs, der 1951 den berühmten Goldenen Tempel in Kyoto in Schutt und Asche legte, zu einem packenden Roman mit unvergesslichen Szenen. Nur wenige Übersetzungen, leider auch nicht unbedingt die Versionen, die in den letzten Jahren von deutschsprachigen Verlagen herausgebracht wurden, bringen die erzählerische Brillanz und Wortgewalt der Originale zum Strahlen.

Madame de Sade von Yukio Mishima feierte 2017 Premiere am Schauspielhaus Zürich.
Madame de Sade von Yukio Mishima feierte 2017 Premiere am Schauspielhaus Zürich. : Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

1960, bereits auf dem Hochplateau seiner Prominenz in Japan, bringt ihm der allzu nah am realen Vorbild gestaltete Roman um eine Affäre zwischen einem Politiker und einer Restaurantbesitzerin einen Prozess ein, den Mishima verliert: ein Anlass für einen neuen japanischen Begriff, das Lehnwort privacy. Die Geschichte einer scheiternden Liebesbeziehung zwischen zwei sehr ungleichen älteren Menschen vor dem Hintergrund der ränkereichen Politik- und Finanzwelt ist gleichwohl ein großer Erfolg. „In der Politik ist es die Verderbtheit, die den Menschen reinigt; und Scheinheiligkeit enthüllt oft mehr vom menschlichen Charakter als halbherzige Ehrlichkeit“, so kommentiert im Schlussteil ein anderer Politiker die Story. Der Roman ist übrigens schon 1967, Jahre vor der englischen Fassung, unter dem Titel „Nach dem Bankett“, auf Deutsch bei Rowohlt erschienen.

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