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Gestohlener „Salvator Mundi“ : Fehlt da nicht etwas?

  • -Aktualisiert am

Sichergestellt: Zwei italienische Polizisten mit dem am Montag in einer Wohnung in Neapel entdeckten „Salvator Mundi“ Bild: EPA

Ein gestohlener und zunächst nicht vermisster „Salvator Mundi“ aus dem Umfeld Leonardos wurde wiedergefunden. Und wo ist das gleichnamige Werk von der Hand des Meisters?

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          Dass der Heiland der Welt in bescheidensten Behausungen Unterkunft nehmen kann, und das zuweilen nicht ganz freiwillig, dürfte kurz nach Weihnachten niemanden überraschen. Nicht in einem Stall und umgeben von frommer Andacht aber haben italienische Polizisten nun den „Salvator Mundi“ vorgefunden, sondern in einer simplen Wohnung in Neapel, genauer gesagt einem Apartment in der Strada Provinciale delle Brecce, von der aus man subito auf die Ausfallstraßen Richtung Norden oder Flughafen abbiegen kann.

          Da stand er also, der entführte Erlöser, und hob die Rechte im Segensgestus wie zum Gruß. Ginge es hier um eine Netflix-Serie, hätten wir es mit dem 2005 aus dem Dunkel der Geschichte ins Licht getretenen „Salvator Mundi“ zu tun, der, Leonardo da Vinci zugeschrieben, 2017 für die Rekordsumme von 450 Millionen Dollar in New York bei Christie’s verkauft wurde und zum teuersten je versteigerten Gemälde avancierte.

          Erlöser auf Segeltörn

          Dieser Christus in Frontalansicht mit blauem Gewand und Kristallkugel schaukele heute, so wird gemunkelt, auf der Yacht des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman vor der Küste Arabiens. Tatsache ist, dass er weder zur Leonardo-Blockbustershow im Pariser Louvre anreiste noch in der Dependance des Museums in Abu Dhabi ankam. Beim „Salvator Mundi“ in der Neapolitaner Wohnung dagegen handelt es sich nicht um diesen Superstar, sondern um einen von zwei bekannten Doppelgängern, die ihm ziemlich ähneln.

          Vermutlich um 1510 von einem Schüler Leonardos gefertigt, trägt der Weltenretter in dieser Fassung Rot (nicht Rot-Blau wie der dritte, im Louvre als Ersatzmann eingesprungene „Salvator Mundi von Ganay“). Von Mailand über Rom gelangte das Gemälde einst in die Stadt am Vesuv und präsentierte sich im Museum der Kirche San Domenico Maggiore – bis es gestohlen wurde. Wann genau? Wenn man das wüsste, denn bemerkt wurde der Verlust nicht gleich. Erst als die Polizei, durch Ermittlungen alarmiert, kürzlich beim Prior der Kirche nachfragte, schaute dieser in dem coronabedingt geschlossenen Museum in den gleichfalls geschlossenen Raum des Salvators, den länger keiner mehr betreten hatte. Und siehe da: Leere.

          450 Millionen Dollar für das Urbild, von dem nur zwei gute Kopien existieren, wecken eben Begehrlichkeiten auch mit Blick auf diese, zumal nach heutigem Kenntnisstand lediglich fünfzehn Gemälde von der Hand des Meisters erhalten sind.

          Das wahre Heilandsgesicht

          Wie schnell der Adrenalinspiegel steigt, sobald es um das Renaissance-Universalgenie schlechthin geht, ließ sich auch im Dezember beobachten, als die italienische Kunsthistorikerin Annalisa Di Maria in einer Privatsammlung in Lecce eine Rötelzeichnung entdeckte mit einem womöglich von Leonardo im Dreiviertelprofil gezeichneten Heilandsgesicht. „Dies ist das wahre Gesicht des ,Salvator Mundi‘“, sagte sie im Stil einer modernen Veronika und zog damit die anderen Bilder in Zweifel.

          Wie auch immer: Die Himmelfahrt des Erlösers in Rot endete am Samstag glücklich nur wenige Kilometer vom Ort, dem er entrissen wurde. Offenbar war das Handling der heißen Ware eine Nummer zu groß für die Diebe. Dass der 36 Jahre alte Besitzer des Apartments, der festgenommen wurde, allein hinter der Tat steht, ist wenig wahrscheinlich. Der Kunstkrimi geht weiter.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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