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: Der Gesellschafter

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Mit 23 Jahren gründete Groenewold seine erste Gesellschaft, eine GmbH für Medienfinanzierung. Wie viele Firmen er seither gegründet hat, weiß er selbst nicht. Sein neuestes Projekt ist eine Internetfirma, die sich mit Markenartikelvertrieb über soziale Netzwerke befasst. Schon früher, als Schüler, dachte er groß. Als die Mauer fiel, war er 16 Jahre alt und Schulsprecher an einer Berliner Privatschule. Am 10. November 1989 marschierte er morgens ins Büro des Schuldirektors und forderte unterrichtsfrei für alle Schüler, man müsse bei einem solchen historischen Ereignis geschlossen zum Brandenburger Tor ziehen. Der Schuldirektor sah das anders, aber Groenewold setzte sich durch und holte sogar noch Schüler aus benachbarten Schulen in Dahlem aus ihren Klassenzimmern, um gemeinsam zur Mauer zu fahren. Er studierte an der London School of Economics, die als eine der besten der Welt gilt. Zurück in Berlin, wollte er ins Filmgeschäft einsteigen, Filmfinanzier werden wie sein Vater, der unter anderem "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" produziert hat. Doch die Anfänge gestalteten sich schwieriger als gedacht. Dreieinhalb Jahre lang trieb er sich auf Filmpremieren herum und drückte jedem, den er für wichtig hielt, seine Visitenkarte in die Hand. "Guten Tag, ich finanziere Filme, und hier ist meine Karte", sagte der junge Mann, der eben noch Student gewesen war und noch nie einen Film finanziert hatte. Eine Behauptung. Dann lernte er irgendwann den Schauspieler Thomas Heinze kennen, Oliver Berben kannte er schon länger, er freundete sich mit Christoph Ott von Buena Vista Film an und mit dem Produzenten Sam Davis. "Diese vier waren der Anfang." Von ihnen ausgehend, baute er sein Netzwerk auf. 2002 finanzierte er den ersten Film, "Das Jesus-Video". Kurz darauf folgte "Das Wunder von Lengede", eine sehr erfolgreiche ZDF-Fernsehproduktion. Von da an lief es.

Es ist lange sehr gut gelaufen für David Groenewold. Wenn er das "Borchardt" betritt, fliegen ihm die "Hallos" von allen Seiten zu. Oft hat er ein Buch unterm Arm, er liest gern. Das Ausgehen ist für ihn beides zugleich, Freizeit und Arbeit, denn man wisse ja nie, wann eine Idee zu einem Film entsteht. Wenn er sich wünschen dürfe, als was er erinnert werden möchte, sagt Groenewold, er wäre glücklich, wenn es einmal heißen werde, er habe das Filmemachen für junge Leute in Deutschland einfacher gemacht.

Ein Mann, der lange beruflich mit David Groenewold zu tun hatte und ihm "für seine Zukunft wirklich alles Gute" wünscht, sagt über ihn Folgendes: Es fehle ihm einfach an Erfahrung. An über Jahre gewachsenen Kontakten und Visionen, die auch realisierbar sind.

Dasselbe könnte man über Berlin sagen. JOHANNA ADORJÁN

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