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: Der Gesellschafter

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Spricht man mit Menschen, die Groenewold gut kennen, sagen fast alle als Erstes über ihn, er sei ein "großer Kontakter", unglaublich "gut vernetzt", mit "den richtigen Leuten befreundet". Während der Berlinale veranstaltet Groenewold, zusammen mit dem Schauspieler Thomas Heinze, regelmäßig einen "Abend unter Freunden", ein festliches Diner, das sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Branchentreffen gemausert hat. In exklusivem Ambiente treffen Filmschaffende auf Chefredakteure und Politiker. Der Springer-Verlag, dessen Vorstand Mathias Döpfner ein weiterer "guter Bekannter" Groenewolds ist, stellt dafür die Räumlichkeiten im 19. Stock des Springer-Hochhauses zur Verfügung. Und dann stoßen dort Claudia Roth, Til Schweiger, Klaus Wowereit, Laurenz Meyer, Sönke Wortmann, Sabine Christiansen, Nadeshda Brennicke und andere mit Champagner an, und Groenewold hält im Kerzenlicht eine emotionale Rede. "Das ist zum Netzwerken gut", erklärt er die Idee hinter diesem Abend. Aus Menschen, die er früher aus der Ferne bewundert hat, sind so Freunde geworden und schließlich Geschäftspartner. Eben hat ihm Helmut Dietl die letzte Fassung seiner "Kir Royal"Fortsetzung geschickt; Groenewold findet sie "grandios", nächstes Jahr soll nun endlich gedreht werden.

An diesem Tag jedoch scheint ihm daran gelegen, selbstkritisch zu erscheinen. Er habe auch Fehler gemacht, sagt er mehrmals wie für ein Protokoll. Er habe nicht vorausgesehen, dass das Fernsehgeschäft sich so schnell so massiv verändern würde. Die Odeon Film hätte zugleich operative Verluste und sehr hohe Ausgaben durch Investitionen gehabt. Im Nachhinein sei es sicher ein Fehler, die Odeon zu übernehmen, sagt er. Und was die Verwaltung seines Fonds angeht: "Unter den Blinden habe ich minus fünf Dioptrien." Die Performance auch seiner Fonds betrachte er selbstverständlich kritisch, aber viel sei auch gut gegangen im Sinne seiner Investoren. Im Übrigen seien diese im Prospekt auf das Risiko eines Totalverlustes ja hingewiesen worden.

David Groenewold hat viel erreicht: Durch seine Spitzenfinanzierung wurden viele große Filmprojekte überhaupt erst ermöglicht - darunter erfolgreiche Produktionen wie "Der Wixxer", aber auch Autorenfilme wie "Sehnsucht" von Valeska Grisebach -, und niemand, der ihn kennt, spricht Groenewold eine wirkliche, tief empfundene Leidenschaft für Filme, für den deutschen Film, ab. Fast allen ist er im Grunde sympathisch. Sie nennen ihn einen "begnadeten Verkäufer", einen Menschen, der "aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft" und dessen Begeisterungsfähigkeit ansteckend wirke. Aber es heißt auch immer wieder über David Groenewold, dass er [...] sei, und mehrere Personen, die sich untereinander nicht abgesprochen haben, wählen denselben Wortlaut: Sie wollten ihm "nicht unterstellen, dass er ein [...] sei, aber . . ." [...]

Groenewold überlegt nicht lange: "Das Geschäft, das ich mache - Übersetzen zwischen Kreativen und Geldgebern -, ist ein sehr spezielles. Es gibt keinen festen Geldtopf, vieles beruht auf Spekulation, weil jedes Projekt einzigartig ist und die Ergebnisse nie vorhergesehen werden können. Das ist nicht so leicht nachzuvollziehen wie Schuheverkaufen, das macht es für viele dubios." Die Klatschgeschichten über seinen teuren Lebensstil - Townhouse, Champagner-Vorräte, Rolexuhren - helfen wohl auch nicht unbedingt. [...]

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