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: Der Gesellschafter

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Um aus dieser Nummer rauszukommen, kaufte Groenewold 2006, mit Einverständnis seiner Investoren, mit Geldern seines Fonds eine große Produktionsfirma, die Münchner Odeon Film, die so gediegene Serien produziert wie "Der Landarzt" oder "Ein Fall für zwei". Steuerlich eine einwandfreie Entscheidung. Unter ihrem Dach gründete er schnell einen eigenen Verleih und kaufte noch die Produktionsfirma Hofmann & Voges dazu, die so moderne und eigenwillige Formate wie "Türkisch für Anfänger" hervorgebracht hat. Und irgendwie begannen dann ein paar Sachen schiefzulaufen.

Andere Kaufvorhaben klappten nicht. Innerbetrieblich gab es personelle Schwierigkeiten. Die Aktien der Odeon, 1999 zu einem Ausgabepreis von 32 DM an die Börse gebracht, liegen heute bei 60 Cent, Penny Stock sagt man dazu. Insider sprechen davon, dass es um die liquiden Mittel der Firma im Moment sehr schlecht bestellt sei. In der Branche geht das Gerücht um, andere Produktionsfirmen warteten nur auf die Pleite, um zugreifen zu können. Jüngst hat sich der Vorstand verschlankt, Groenewold hat die Stelle des Vorstandsvorsitzenden abgegeben und sitzt nun im Aufsichtsrat - auch um Kosten einzusparen, wie er sagt.

Und auch die Kommanditisten seines Fonds, die Leute, die Geld eingezahlt haben in der Hoffnung auf eine Rendite, dürften momentan nicht allzu glücklich sein. Die diesjährige Ausschüttung ist mager, an eine Rendite glaubt keiner mehr, die Investoren gewöhnen sich langsam an den Gedanken, dass ihr Geld weg ist.

David Groenewold sitzt in einem Berliner Café und sieht an diesem Vormittag leicht gestresst aus. In letzter Zeit tauchte er oft in der Presse auf, allerdings eben nicht als Geschäftsmann, sondern als Mitglied der Berliner Gesellschaft, in der er als Prominenter gilt. Sein "Liebes-Aus" mit einem blonden Sternchen aus der Raffaello-Werbung verkündete letztes Jahr die "Bild"-Zeitung. Diesen Juli wurde dann eine neue Frau an seiner Seite vermeldet, die PR-Chefin von Michael Michalsky: "Jetzt hat die hippe Grill-Royal-Borchardt-Society ein neues Traumpaar", schrieb die "B.Z.", die Neue sei bereits in sein "800-Quadratmeter-Townhouse" eingezogen. Wenige Tage später wieder ein Artikel in der "B.Z.", diesmal war Groenewold in einen Einbruchsfall verwickelt, der sich in der Villa, in der er mit Freunden urlaubte, an der Côte d'Azur zugetragen hatte. "Rolex-Uhren, Handtaschen, neue Filmideen geklaut: Zum Glück haben die Einbrecher unseren Champagner-Vorrat nicht entdeckt." Darauf angesprochen, guckt er zerknirscht. "Schrecklich", sagt er. "Solche Presse bringt mir nichts. Ich bin kein Prominenter, und da lege ich auch gesteigerten Wert drauf." Für den Artikel in der "B.Z." ließ Groenewold sich allerdings zusammen mit seinen beklauten Freunden sogar extra fotografieren ("Berlins hippster Freundeskreis").

Groenewold ist ein gewinnender Gesprächspartner, der sich blitzschnell auf Situationen einstellen kann. Wenn er darüber redet, welche Rahmenbedingungen der Staat für die Filmfinanzierung ändern müsste, gestikuliert er größer als sonst, malt mit seinem Zeigefinger Unterstreichungen in die Luft und streut in sein Reden Politikerfloskeln ein wie "man muss betonen" und "ich sage das ganz ausdrücklich". Er wirkt dabei entschieden, sicher und so überzeugend, dass man sich leicht vorstellen kann, warum viele Politiker auf sein Urteil vertrauen. Für Kanzler Schröder hat er in einer Arbeitsgruppe Medien gearbeitet, mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ist er eng befreundet, mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann, den er in Medienfragen beraten hat, duzt er sich.

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