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Gartenschule : Magnolien wie Porzellan

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Frühling! Jetzt wird die Welt wieder bunt. Auch dank der Magnolien, die bald wieder ihre Knospen entfalten. Bild: Picture-Alliance

Schneeglöckchen, Tulpen, Hyazinthen: Jetzt folgt endlich wieder Blütenrausch auf Blütenrausch. Wir haben ein paar Tipps für einen farbenfrohen Frühjahrsgarten.

          Das Zauberwort für das Frühlingserwachen im Garten lautet Temporalität. Die Wahrnehmung und Interpretation des Zeiterlebens ist die entscheidende Grundbedingung für gärtnerisches Handeln. Schon bei Aristoteles kann man nachlesen, dass Zeit nicht die bloße Abfolge von Bewegungen ist, sondern eines von Menschen geschaffenen Maßstabes bedarf, nach dem sie geordnet wird.

          Der Frühling gibt vielerlei Möglichkeiten, das „Vorher“ und „Nachher“ zu messen. Die Kunst der Gartengestaltung besteht nach den dunklen Wintermonaten gerade darin, das subjektive Maß der Zeiterfassung mit den natürlichen und räumlichen Gegebenheiten zu harmonisieren. Dies ist eine ständige Herausforderung und im jeden Jahr neu zu meistern.

          Selbstverständlich sind die Beschaffenheit des Bodens, die klimatischen Verhältnisse, die Größe und Struktur des Gartens und schließlich die Architektur des Hauses zu berücksichtigen, wenn für das Frühjahr geplant wird. Wenn Sie Ihren Garten überlegt gestaltet haben, können Sie gewiss sein: Blütenrausch folgt auf Blütenrausch. Farben und Düfte sind omnipräsent. Mancherorts beginnt der schönen Gärten Zier bereits im Februar, wenn Schneeglöckchen (Galanthus), Winterlinge (Eranthis hyemalis) und Krokusse (Crocus) – mitunter noch durch den Schnee – aus dem Boden sprießen.

          Für Bienen gibt sie nicht viel her, für die Augen schon: die Forsythie.

          Es folgen die porzellanartigen Blüten der Magnolien, die in keinem Garten fehlen sollten. Mein Favorit ist die relativ robuste Magnolia x soulangeana, die Tulpenmagnolie, deren weiße Blüten ein Hauch von Rosa schmückt. Sie liebt feuchten, aber durchlässigen und leicht sauren Boden; dieser Traum eines Baumes braucht eine besondere Stellung, um zur Geltung zu kommen, und auch die Magnolie sollte in Ruhe ihre Schönheit entfalten.

          Keine Ungeduld mit der Schere!

          An blühenden Ziergehölzen fehlt es im Frühjahr wahrlich nicht. Verzichten sollte man nicht auf die farbstarke Leuchtkraft der Forsythien, auch wenn sie nicht unbedingt bienenfreundlich sind. Aber jede einzelne Forsythie, und besonders die Hybride mit dem sprechenden Namen „Goldrausch“, verleiht dem Garten ein prächtiges Frühlingsgewand; und die Blütezeit gibt den untrüglichen Hinweis, wann die Rosen geschnitten werden können. Unterpflanzt werden kann mit Sternhyazinthen (Chionodoxa), Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) oder Blausternchen (Scilla bifolia).

          Mit Blumenzwiebeln aller Art geizt man nicht. Und, wichtig: Am besten, man bestellt sie schon im August.

          Frühling ist die Jahreszeit der strahlenden Narzissen und der farbenfrohen Tulpen. Diese Zwiebelblumen sollten wie Stauden gepflanzt werden: nicht spießig nach Arten sortiert, sondern anarchisch gemischt! Ein beeindruckendes Frühjahrsbild entsteht allerdings nur, wenn im Jahr zuvor pro Quadratmeter mindestens fünfzehn Narzissen oder Tulpen in die Erde kommen. Die Zwiebeln müssen bis Anfang August bestellt werden; dann gibt es noch die größte Auswahl. Im späteren Frühjahr sollten dann die welken Blüten entfernt werden, um Samenbildung zu verhindern und die Kraft in die Zwiebel zu lenken. Das Laub bleibt aber unbedingt fünf bis sechs Wochen stehen. Wer ungeduldig die Schere ansetzt, vermindert die Blütenbildung im nächsten Jahr.

          Eine reichblühende gelbe Narzisse (wie Narcissus cyclamineus ’Téte à Téte‘) lässt sich wunderbar mit einer dunkelblauen Hyazinthe (etwa Hyacinthus prientalis ’Delft Blue‘) kombinieren. Dunkle Tulpen können mit der leicht bläulichen Katzenminze (Nepeta) oder aber Zierlauch (Allium) vergesellschaftet werden.

          Im Mai geht’s wieder richtig los, zum Beispiel mit dem Blauregen, der Wisteria.

          Im frühlingshaften Staudenbeet sollten die romantischen Vergissmeinnicht (Myosotis), die sich am richtigen Standort selbst aussäen, und die unverwüstlichen Christrosen (Helleborus) nicht fehlen, die allerdings wie Tulpen keine Staunässe vertragen. Voller Begeisterung können Sie dann auf die Blütenpracht im Monat Mai warten, auf den Blauregen (Wisteria floribunda), der Wände und Pergolen ziert, auf die Japanische Kirsche (Prunus serrulata ’Kanzan‘), deren doldenfömige, rosa gefüllten Blüten jedem Betrachter auffallen, und auf den Flieder (Syringa vulgaris); bei Letzterem bevorzuge ich nach wie vor das ’Andenken an Ludwig Späth‘: Die dunkelpurpurrot gefärbten und stark duftenden Rispen sind unübertroffen.

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