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OB Feldmann und die Eintracht : Plebiszit auf dem Rathaus-Balkon

Feldmanns schönster Tag: Mit der Meistermannschaft auf dem Balkon. Bild: picture alliance / bild pressehaus

Falls Eintracht Frankfurt die Europa League gewinnt, darf Oberbürgermeister Peter Feldmann im Triumphzug vom Flughafen nicht dabei sein. Im Römer allerdings ist er der Hausherr. Aber auch dort droht Ungemach.

          2 Min.

          Der 20. Mai 2018 ist vielleicht der schönste Tag im politischen Leben des Peter Feldmann. Breit grinsend steht der Frankfurter Oberbürgermeister auf dem Balkon seines Rathauses, des Römers. Neben sich die Fußballer der Eintracht, die tags zuvor DFB-Pokalsieger geworden sind. Unter sich eine dicht gedrängte Menschenmenge, die der Sieg im Endspiel gegen die Bayern in einen Freudentaumel versetzt hat. Feldmann hat die Mannschaft schon auf dem Triumphzug vom Flughafen in die Stadt begleiten dürfen, in dem offenen Wagen, der auch Trainer Niko Kovac zum Römer fuhr.

          In dieser Woche wäre es wieder so weit, sofern die Eintracht im Endspiel von Sevilla die Europa League gewinnt. Für Feldmann wird es eine Wiederholung des Mai-Erlebnisses jedoch nicht geben. Die Eintracht hat ihm schon bedeutet, dass diesmal im Autokorso kein Platz frei wäre, so ist zu hören. Man möchte Distanz halten zu dem Oberbürgermeister, gegen den die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des Verdachts der Vorteilsannahme erhoben hat. Das Recht, mit dem Europapokalsiegertross auf den Balkon des Römers zu treten, kann ihm die Eintracht allerdings nicht nehmen, schließlich ist er der Hausherr. Doch die Sache ist für ihn nicht ohne Risiko. Was, wenn die Fans sich kurz aus ihrem Begeisterungsrausch lösen und dem Oberbürgermeister ihre Missbilligung kundtun?

          Verrat am bürgerlichen Stolz

          Der prall gefüllte Römerberg könnte am 19. Mai zum Ort eines Plebiszits werden. Und damit eine Lücke füllen, die die Hessische Gemeindeordnung lässt. Sie gibt kein Mittel her, mit dem die Abwahl eines Oberbürgermeisters einer Großstadt realistischerweise ins Werk gesetzt werden könnte. Zum Glück für Feldmann, der sich an die Illusion klammert, in der Bevölkerung immer noch Rückhalt zu genießen. Es wäre durchaus passend, wenn er auf dem Balkon des Römers vom Souverän zu seinen Füßen eines Besseren belehrt würde. Solche Rathaus-Auftritte sind ohnehin ein heikles Terrain für demokratisch gewählte Politiker, weil sie als politische Bühne Erhabenheit signalisieren.

          Im Frankfurter Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass der Balkon in wilhelminischer Zeit an der zuvor denkbar schlichten Fassade des Römers angebracht wurde, zusammen mit allerlei Kaiserfigurenschmuck im historistischen Geschmack der Epoche. Durch den Umbau machten sich die damaligen Stadtoberen des Verrats an ihrem bürgerlichen Stolz schuldig. Wie zur ewigen Strafe dürfen noch ihre demokratisch besser legitimierten Nachfolger den Balkon üblicherweise nur als Begleiter von Persönlichkeiten betreten, die ihre Stellung nicht aus Wahlen ableiten und deshalb Huldigungen entgegennehmen können, ohne anmaßend zu wirken. Außer Sportlern war das zuletzt im Jahr 2015 die Queen – die ein untrügliches Gespür dafür hat, wann und für wen sich ein Balkonauftritt gehört.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

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