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Der Fotograf Daniel Josefsohn : Herzschlag der Zeit

Iran Irak Ikea Hamburg, 1998 Bild: Daniel Josefsohn / Hatje Kantz Verlag

Der jüngst verstorbene Daniel Josefsohn war eine schillernde Figur der zeitgenössischen Reportage-Fotografie. Wir zeigen noch einmal eine Auswahl seiner Bilder.

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          Im Sommer vor elf Jahren hatte der amerikanische Künstler Raymond Pettibon, berühmt für seine beschrifteten Zeichnungen amerikanischer Verhältnisse, Mythen und Legenden, aber nicht unbedingt für Berechenbarkeit, eine Ausstellung in einer Berliner Galerie. Und er gewährte dem Kunstmagazin „Monopol“ deswegen ein Interview. Daniel Josefsohn, der Pettibon für die Geschichte fotografieren sollte, hatte sein Skateboard mitgebracht, in der Hoffnung, dass Pettibon es ihm vielleicht signieren würde. Es war, wenn die Erinnerung noch stimmt, ein ziemlich angegriffenes Board, das Spuren vieler Jahre und Bordsteine trug, so wie Pettibon an diesem Nachmittag schon die Spuren einiger sehr blutiger Bloody Marys trug – diese Erinnerung wiederum ist noch ziemlich deutlich.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und auch die Erinnerung daran, wie die beiden, Pettibon und Josefsohn, der eine erwartungsvoll, der andere wie aus einem Traum erwachend, sich da jetzt gegenüberstanden, bis eben Fremde, auf einmal Teil der gleichen Gang, der internationalen Gang der coolen Jungs, die es immer schon als Erstes gerafft hatten: weil der eine der beiden, 1957 geboren, Mitte der Siebziger in den gleichen kalifornischen Skaterparks unterwegs gewesen war wie der andere, vier Jahre jüngere. Sie warfen sich Namen zu und Adressen, bist du dort auch gefahren, kennst du den noch, sind wir uns vielleicht sogar über den Weg gelaufen? Und mit jedem gemeinsamen Freund und jedem Ort wurde Pettibon lebendiger und fröhlicher. Er klarte auf, gewissermaßen. Und zeichnete, mit ungelenker Hand, die er sich kurz vorher verletzt hatte, allerdings nicht beim Skaten, auf Daniel Josefsohns Board. Das Interview lief dann ganz wunderbar.

          Am Samstag vor einer Woche ist Daniel Josefsohn gestorben. Vor ein paar Jahren hatte er einen Schlaganfall erlitten – und auf Fotos im „Zeit-Magazin“ dokumentiert, wie es ihm langsam besser ging. Er hat unglaubliche Bilder der Schauspieler Helmut Berger und Udo Kier gemacht, aus Israel, von Charlotte Roche, aus jenem Jahrzehnt vor allem, das man heute die Neunziger nennt, das er aber miterfunden hat: Wenn man heute an Hefte wie das „jetzt“ der „Süddeutschen Zeitung“ denkt, dann hat man seine Bilder vor Augen: wie das von Julia Hummer mit Cowboyhut, er war ihr 1998 in der Hamburger Fußgängerzone begegnet, dieser Zufall war der Anfang ihrer Schauspielkarriere, das Cover wurde zur Ikone. Daniel Josefsohn hat später übrigens eine Skateboard-Edition gestaltet – genau wie Raymond Pettibon. Wir trauern um ihn.

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