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„Der Bernd“ : Die coole, fleißige, lustige Atomexplosion

  • -Aktualisiert am

Mit der der Dokumentation „Der Bernd“ lebt Bernd Eichingers Lachen wieder auf. In München feierte die bewegende Filmcollage ihre Weltpremiere.

          „Eine Weltpremiere ohne roten Teppich, ohne Fotowand und Champagner, das ist auch für uns eine Premiere“, bekennt Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz zu Beginn dieses besonderen Münchner Filmfest-Mittwochabends und setzt hinzu: „Wir haben heute nichts zu verkaufen.“ Bernd Eichinger und die Constantin Film waren Synonyme, so ist denn die Dokumentation über den großen Mann des deutschen Kinos auch ein Film in eigener Sache, gemacht von Leuten, die noch immer fassungslos um die Lücke kreisen, die Eichingers plötzlicher Tod im vergangenen Jahr in ihrer Mitte hinterließ.

          Was nicht heißt, dass nicht gelacht wird - vor allem Eichingers eigenes dröhnendes, nie enden wollendes Lachen klingt noch lange in den Ohren. „Der Bernd“ entstand als Collage aus Rückblicken, Erinnerungen und zum Teil nie gezeigten Aufnahmen. Gut hundert Stunden Archivmaterial sichtete das Team um Carlos Gerstenhauer und Stephanie Dresbach, rund fünfzig Interviews wurden geführt.

          „Er sah aus wie ein Rockstar“, erzählt der Regisseur Uli Edel, habe gemalt, Musik gemacht und besser gewusst, was er wollte, als sämtliche Kommilitonen an der Münchner Filmhochschule, denen er die ersten Filme produzierte. Mit neunundzwanzig kommt die Matte runter, ab sofort stehen Kurzhaarschnitt und schmale Krawatte für den Jungunternehmer, der sich in die marode Constantin einkauft, um von München aus zielstrebig seinen Weg an die Spitze der deutschen Filmindustrie und schließlich auch nach Hollywood anzutreten. „Er war cool“, findet Til Schweiger, er habe im Zentrum des Hurrikans wirbeln wollen, meint Tom Tykwer, Eichingers Frau Katja setzt noch eins drauf: „Er war eine Atomexplosion.“

          Ein rasanter Schreiber und Planer

          Produzentenkollege Günther Rohrbach bewundert, dass Eichinger einfach nie neidisch auf Erfolge anderer war, wie überhaupt Großzügigkeit die am häufigsten genannte Eigenschaft dieses Fehlenden ist. So bekommt Doris Dörrie, gerade wegen Meinungsverschiedenheiten zu ihrem Film „Ich und Er“ bis auf Messer mit Eichinger zerstritten, dennoch zur Hochzeit für ein ganzes Jahr ein Hotelzimmer in New York geschenkt.

          „Der Bernd“ musste einfach amüsant und unterhaltsam geraten, weil sein Protagonist alles andere war als ein Langweiler. Nämlich ein Kraftmensch, der feierte, dass die Gläser flogen, ein Vater, der die kleine Nina mit zu Schumann’s nimmt, weil man nicht früh genug lernen kann, auf einem Barhocker zu sitzen, ein Liebhaber, der Barbara Rudnik den Tisch mit Rosen überschüttete und Katja Flint schon am ersten Abend einen Beziehungsantrag macht.

          Eichinger hielt große Stücke auf die eigenen Fähigkeiten: Sein Tempo als Drehbuchschreiber vergleicht er mit dem Mozarts beim Komponieren, und seinem Planungstalent als Regisseur kann in seinen Augen nur Napoleon das Wasser reichen. Umso schmerzlicher stach ihn die fehlende Anerkennung im eigenen Land. Als endlich der Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises kam, machte der ihn glücklicher als all seine Oscar-Nominierungen.

          Dieweil die Prominenz nicht allzu dick gesät war an diesem Premierenabend - das Leben geht weiter und rief offenbar manchen an die Front, der im Film eben noch mit feuchten Augen den immensen Verlust beklagte -, nahmen vor allem die einheimischen Filmfestbesucher die Gelegenheit wahr, den Mann zu bejubeln, der Filmglanz über ihrer Stadt ausschüttete. Alle dürften Bernd Eichinger diesen Satz aufs Wort geglaubt haben: „Den Tod nehme ich als Abenteuer.“

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