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Interview mit Christian Meier : Weil wir Anarchiker waren

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Althistoriker Meier: „Eigentlich aber wollte ich Offizier werden, das war preußische Tradition.“ Bild: Ruth Walz

Er hat mit Carl Schmitt diskutiert und die Eigenart der Antike wie kein Zweiter begreifbar gemacht: Ein Gespräch mit dem Althistoriker Christian Meier, der an diesem Samstag neunzig Jahre alt wird.

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          Uns würde interessieren, wie Sie das Kriegsende erlebt haben. Wie haben Sie die Situation damals wahrgenommen?

          Wir waren 1945, kurz vor Kriegsende, vor den Russen von Rostock in den Norden von Hamburg geflohen. Ich erinnere mich noch, wie wir abends am Radio saßen. „Wir erwarten in Kürze eine Sondermeldung aus dem Führerhauptquartier“, hieß es. Man kannte das aus dem Krieg, wenn irgendein Sieg zu melden war. Nach der Vorankündigung gab es zunächst Musik, in diesem Fall stammte sie aus der „Götterdämmerung“. „Nun ist er tot“, meinte mein Vater. Als die deutschen Truppen auf der nahe gelegenen Landstraße abzogen, nahm er seine beiden Söhne dorthin mit und erklärte, so bald würden wir keine deutschen Soldaten wiedersehen. Aufs Ganze gesehen war ich in diesen Tagen wie betäubt. Ob ich eingehender über die neue Situation nachgedacht habe? Wohl eher nicht.

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