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Demographiepolitik ohne Konzept : Jedes Alter zahlt

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Das kann so natürlich nicht funktionieren. Denn heute sorgen vor allem die starken und gut qualifizierten Kohorten der Babyboomer für Wohlstand und einen Exportüberschuss ohnegleichen. Dennoch hat sich das Wirtschaftswachstum, gemittelt über die letzten zehn Jahre, auf weniger als 1 Prozent abgeschwächt. Im Jahrzehnt zuvor waren es noch 1,9 Prozent. Und davor 2,3 Prozent. Die dünnbesetzten Jahrgänge, die den Babyboomern folgen, werden nicht plötzlich das Ruder herumreißen und wieder für mehr Wachstum sorgen können. Zumal sie neben der Versorgung ihrer Vorgänger auch noch für die über die Jahre aufgetürmten Schuldenlasten aufkommen sollen.

Der Trend wird 2030 nicht enden

Die Unternehmen müssen sich bis 2030 darauf einstellen, mit 6,3 Millionen weniger Erwerbsfähigen im Alter von zwanzig bis 64 Jahren auszukommen, aber gleichzeitig so produktiv zu sein, dass die Gesellschaft einen Zuwachs von 5,5 Millionen über Vierundsechzigjähriger finanzieren kann. Und dieser Trend endet nicht 2030: Bis 2050 dürften im Vergleich zu heute sogar 12,7 Millionen mehr Personen ins heutige Rentenalter hineinwachsen, als junge Menschen ins Erwerbsleben nachrücken.

Es ist zwar geplant, das Rentenalter in homöopathischen Dosen zu erhöhen. Aber dies wird nicht einmal dem Ausmaß der Alterung gerecht, denn die Lebenserwartung steigt schneller, als das Rentenalter hochgesetzt werden soll. Gerade erst hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die Lücken der privaten und gesetzlichen Rentenkassen bis 2050 in Deutschland auf mehr als zwei Billionen Euro taxiert. Bis 2050 dürfte hierzulande jeder Siebte älter als achtzig Jahre sein. Weil gerade die hohen Jahrgänge die am stärksten wachsende Altersgruppe stellen, ist mit einer Verdopplung der Demenzkranken bis 2050 zu rechnen, während die Zahl der potentiell Pflegenden innerhalb und außerhalb der Familie dramatisch zurückgeht. Das alles muss bezahlt werden.

Aus diesen Fakten zieht das Papier der Bundesregierung jedoch nicht den Schluss, dass es künftig weniger an die Rentner und hilfebedürftigen Alten zu verteilen gibt und/oder die Arbeitenden mehr Sozialbeiträge und Steuern zahlen müssen. Dies ehrlich zu sagen wäre jedoch die Grundlage für „einen Dialogprozess mit allen Gestaltungspartnern“, wie ihn die Strategie fordert.

Potential bei Frauen, Älteren und Geringqualifizierten

Aber wie will man einen Dialog führen, wenn noch andere, demographisch bedingte Belastungen glatt unter den Tisch fallen, etwa die Pensionsansprüche der Beamten und Soldaten. Die bis 2050 anfallenden Versorgungsverpflichtungen des Staates summieren sich auf mindestens 1,3 Billionen Euro. Mangels Rücklagen müssen sie größtenteils aus dem laufenden Haushalt finanziert werden. Es handelt sich also um implizite Schulden, die deutlich über jenen der offiziellen Staatsverschuldung liegen, aber in der Demographiestrategie gar nicht zur Sprache kommen. Folgerichtig können auch keine Eingriffe zur Sprache kommen, etwa notwendige Pensionskürzungen oder die weitere Heraufsetzung des Pensionsalters, die schon deshalb stärker ausfallen müsste als beim Rentenalter, weil Beamte im Schnitt zwei Jahre länger leben als gewöhnliche Erwerbstätige.

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