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Dekolonisierungs-Debatte : Die Leichen im Familienalbum

  • -Aktualisiert am

Warschau in Trümmern: Bilder aus dem Album von Kurt Riemer Bild: Ackermann

Dekolonisierung als Privatsache: Wie soll man mit Aufnahmen vom Völkermord an den Herero und vom Vernichtungskrieg der Wehrmacht gegen die Sowjetunion umgehen?

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          Ein winterlicher Familienabend im Norden Berlins. Mit Stativ und Kamera ausgestattet, versuchen wir, die historischen Aufnahmen in den Fotoalben der Vorfahren zum Sprechen zu bringen. Die Methode ist einfach: Die Videokamera nimmt aus der Vogelperspektive auf, wie mein Schwiegervater Hartwig beim Durchblättern eines Albums erzählt, was er über die einzelnen Fotografien weiß. Er nennt Namen von Menschen und Orten, die nirgends sonst verzeichnet sind, erklärt die Verwandtschaftsverhältnisse und streut seine eigenen Erinnerungen ein.

          Zu vorgerückter Stunde holt Hartwig einen Kasten mit großformatigen Bildern seines Großvaters Emil Fischer hervor, der als Sanitäter des Afrikakorps acht Jahre lang in verschiedenen Kolonien des Deutschen Reichs im Einsatz war. Im Keller steht noch ein Porzellanservice aus seiner Zeit in Deutsch-Südwest. Emil lernte dort seine zukünftige Frau Marie kennen und heiratete sie. Ihren Sohn nannten sie Emil. Auch Emil gab seinem Sohn den zweiten Vornamen Emil.

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