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Urteile zu Suizid und Kopftuch : Zweierlei Maß

Zuschauerinnen Ende Januar im Bundestag Bild: dpa

Sind Grundrechte Trümpfe? Die Urteile zum Suizid und zum Kopftuch geben gegensätzliche Antworten.

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          Am Mittwoch hat der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts entschieden, dass für die Rechtsfrage, ob ein Mensch frei sein soll, sich den Tod zu geben und sich der dafür nötigen Hilfsmittel und Helfer zu versichern, die Bewertung durch andere Menschen keine Bedeutung hat. „Kein legitimes gesetzgeberisches Ziel“ ist es, „Suizidhilfe ausschließlich deshalb zu verbieten, weil die Selbsttötung und die Hilfe hierzu in Widerspruch zu der Mehrheitsauffassung in der Gesellschaft stehen, wie mit dem eigenen Leben, insbesondere im Alter und bei Krankheit, umzugehen ist“.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Das Leben steht in der Rangordnung der vom Recht zu schützenden Güter sehr weit oben und wird in diesem Sinne nicht selten als Höchstwert der Rechtsordnung bezeichnet. Aber in der neuen Judikatur zum Grundrecht auf Selbsttötung bleibt diese geballte Werthaltigkeit des Lebensschutzes folgenlos, was die Eindämmung lebensfeindlicher Nebenwirkungen von Rechtsnormen betrifft. Die Sorgen, dass eine liberale Regelung der Suizidbeihilfe noch mehr Menschen dazu anregen wird, sich das Leben zu nehmen, und ganz allgemein die Geringschätzung des Lebens befördern könnte, sind keine Gründe für Vorschriften, die es dem Sterbewilligen erschweren, seinen Willen zu bekommen.

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