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Hohenzollern-Buch in Berlin : Zwei gute Freunde und ein böser Prinz

Bei der entscheidenden Frage hält er sich bedeckt: Lothar Machtan bei der Vorstellung seines Buches „Der Kronprinz und die Nazis“ in Berlin Bild: Picture Alliance

Lothar Machtan hat eine Studie über die Hohenzollern und die Nazis verfasst. Bei der Buchvorstellung im Berliner Kronprinzenpalais hält Georg Friedrich von Preußen das Grußwort. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gibt dem Autor die Ehre.

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          Wie schwer wiegt ein Honorar? Für den Historiker Lothar Machtan, der für die Arbeit an seinem Buch „Der Kronprinz und die Nazis“ einen fünfstelligen Be­trag aus dem Haus Ho­hen­zol­lern er­hal­ten hat, wiegt es we­nig. Er hätte seine Recherche nicht anders durchgeführt, wäre sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt worden, sagte Mach­tan bei der Vorstellung des Buches am Mittwoch in Berlin. Auf die Nachfrage, wa­rum er eine private Zahlung von ei­ner Familie angenommen habe, die mit der in seinem Buch unternommenen Bewertung der historischen Rolle ihres Vorfahren beim Aufstieg des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus auch fi­nan­zielle In­ter­es­sen verbinde, antwortete Machtan gereizt: „Weil ich es wollte.“

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Wille spielt eine große Rolle in der Geschichte, im privaten wie im öf­fent­lichen Raum. In Machtans Studie er­scheint Wilhelm von Preußen zu­meist als Spielball fremder Interessen und Intrigen, ein Dandy, der von Po­­li­tik „nichts verstanden“ und „keinerlei Führungsqualitäten“ besessen habe. Darum habe er auch zur „eigentlichen Machtergreifung“ Hitlers „nichts We­sentliches“ beigetragen. Das sehen manche Historiker anders, auch solche, die wie John Röhl schon vor Machtan im Hohenzollernarchiv in Hechingen arbeiten durften. Aber Machtan schiebt die bisherige Forschung bei seinem Berliner Auftritt schwungvoll bei­seite: Erst mit seinem Buch liege eine „differenzierte, dichte Darstellung“ zum Thema vor. Die Frage der Moderatorin Anja Reschke, ob es auch neue historische Erkenntnisse biete, lässt ihn allerdings merkwürdig kleinlaut werden: „So würde ich das eigentlich nicht sagen.“

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