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Zuwanderung : Die Möglichkeit keiner Insel

  • -Aktualisiert am

Syrien ist sehr weit weg: Muslime protestieren vor dem Weißen Haus gegen den Islamischen Staat und seinen Terrorismus. Bild: AFP

Wird Amerika, wie Donald Trump es will, bald keine Muslime mehr ins Land lassen? Für Flüchtlinge war der Atlantik jedenfalls noch nie so tief wie heute.

          Während Europa sich gerade vor sehr große Herausforderungen gestellt sieht, haben die meisten Amerikaner derzeit ein ganz anderes Lebensgefühl: Sie haben ihr Inseldasein selten so sehr genossen wie heute. Das Pikante an diesem herben Kontrast? Beides ist auf das intimste miteinander verbunden. Das aus amerikanischer Sicht seit langem als alt und schwach gebrandmarkte Europa muss, so zeichnet sich bereits jetzt ab, weit über Syrien und den Balkan hinaus nun den Bumerangeffekt rücksichtsloser amerikanischer Außenpolitik fürchten. Und das praktisch ohne jeden Schutzschild.

          Selten hat die Geographie eine so große Rolle gespielt wie aktuell. Da kann sich eine Nation, die amerikanische, ein gutes Jahrzehnt daran ergötzen, am „Great Game“ teilzuhaben, vermeintlich, um hierfür in dieser Form völlig ungeeignete Länder zu „demokratisieren.“ Und nachdem dieser Versuch fehlgeschlagen und so gut wie alles Porzellan zertrümmert ist, echauffieren sich dieselben Vereinigten Staaten aus der sicheren Distanz eines Ozeans als Pufferzone heraus über den mangelnden Willen Europas, Migranten bei sich aufzunehmen. Das ist dieselbe Nation, die wir herkömmlicherweise als „großen Bruder“ und unseren „wichtigsten Bündnispartner“ titulieren. Die Ironie dieser Geschichte bleibt einem regelrecht im Hals stecken.

          Mit guten Ratschlägen ist Amerika schnell zur Stelle

          Die traditionellen Grundprinzipien der Außenpolitik – wer Porzellan zerschlägt, muss es dann auch wieder zusammenkitten (getreu dem schönen amerikanischen Motto „you break it, you own it“) – sind inzwischen vollkommen außer Kraft gesetzt. Dabei kommt der sogenannten Pottery-Barn-Regel, nach der gleichnamigen Einkaufskette benannt, pikanterweise ausgerechnet in der zeitgenössischen amerikanischen Außenpolitik eine gewichtige Rolle zu. Es war der seinerzeitige Außenminister Colin Powell, der den Präsidenten George W. Bush mit dieser Bemerkung davor warnte, leichtfertig in den Irak einzumarschieren. Bush schlug diese Warnung bekanntermaßen in den Wind. Ein Jahrzehnt später dämmert auch den letzten Europäern, denen heute die Folgen der Destabilisierung einer ganzen Region in Form von massiven, weit über die aktuellen Zahlen hinauswachsenden Flüchtlingsströmen begegnen, welche unabsehbaren der Irak-Krieg gerade auch für sie nach sich zieht.

          Das unverantwortliche Handeln der Amerikaner, das zurzeit seine Fortsetzung in der klinischen Distanz gegenüber den von ihnen selbst produzierten Flüchtlingsbewegungen erfährt, beschert Europa zurzeit eine Völkerwanderung der besonderen Art. Ein Schelm, der dahinter etwa eine Strategie der Amerikaner vermutet, Europa auf diese Weise „revitalisieren“. Mit guten Ratschlägen – nicht zuletzt zur Aufnahme von muslimischen Flüchtlingen in Europa – ist Amerika immer schnell zur Stelle. Doch wir sollten uns die amerikanische Scheinheiligkeit auch in dieser Frage vor Augen führen.

          Wie gut es den Arabern geht!

          Trotz allen amerikanischen Geredes darüber, wie gut die Muslime dort integriert sind, kann man nicht darüber hinwegsehen, dass weniger als ein Prozent der amerikanischen Bevölkerung Muslime sind. Hingegen sind es in Deutschland fünf und in Frankreich 7,5 Prozent. Um allein mit Deutschland aufzuschließen, müsste Amerika zwölf Millionen Muslime aufnehmen.

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