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Über das Trolley-Problem : Darf man einen Menschen opfern, um mehrere zu retten?

  • -Aktualisiert am

Die Triage-Richtlinien mancher Länder verleihen dem Trolley-Problem eine beunruhigende Aktualität. Bild: Frank Röth

Danach fragt das moralphilosophische Trolley-Problem. Es ist von beständiger Irritationskraft – und heute aktueller denn je.

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          Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Steuer einer Straßenbahn. Nach einer Kurve sehen Sie fünf Arbeiter, die die Schienen vor Ihnen reparieren. Die Männer haben keine Möglichkeit, das Gleis zügig zu verlassen, da es zwischen zwei steilen Hängen eingezwängt ist. Sofort treten Sie auf die Bremse. Nichts passiert. Dann bemerken Sie ein Nebengleis, auf das Sie den Wagen umlenken können. Leider ist auch dieser Streckenabschnitt nicht leer: Ein Arbeiter nimmt dort gerade Ausbesserungen vor, und auch er würde es nicht schaffen, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Wenn Sie nichts machen, sterben fünf Menschen, wenn Sie den Kurs ändern, stirbt ein Mensch. Wie verhalten Sie sich?

          Kai Spanke
          Redakteur im Feuilleton.

          Dieses Gedankenexperiment ist unter dem Namen „Trolley-Problem“ zu einem Klassiker der Moralphilosophie geworden. Der Strafrechtler Karl Engisch diskutierte eine vergleichbare Konstellation in seiner Habilitationsschrift aus dem Jahr 1930, sein Kollege Hans Welzel kam 1951 auf das Dilemma zurück, Philippa Foot, eine der Begründerinnen der neueren Tugendethik, machte den hypothetischen Entscheidungsfall 1967 schließlich berühmt. Die Philosophin Judith Jarvis Thomson nahm sich der Sache 1985 abermals an und dachte sie weiter. Ihr Essay ist nun von Adriano Mannino und Nikil Mukerji übersetzt und ausführlich kommentiert worden (Judith Jarvis Thomson: „Das Trolley-Problem“. Englisch/Deutsch. Reclam Verlag).

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