https://www.faz.net/-gqz-8ymqw

Appell an Sender : Doku über Judenhass zeigen

Opfer des Antisemitismus: Biographien auf den Stühlen des Denkmals Leipziger Synagoge erinnern an die am 09.11.1938 ermordeten Bürger der Stadt.

Der WDR entgegnete in einer Stellungnahme, man könne der Aufforderung, die von Arte abgelehnte Dokumentation im eigenen Programm zu zeigen, „zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachkommen“. Zunächst lägen die Ausstrahlungsrechte bei Arte. Zudem habe man den Film „einer erneuten Sichtung unterzogen“ und habe „handwerkliche Bedenken“. Man prüfe intensiv, ob der Film, „den journalistischen Standards und Programmgrundsätzen des WDR entspricht“, er enthalte „zahlreiche Ungenauigkeiten und Tatsachenbehauptungen“, zu denen man die Belege nachvollziehen müsse. So werde „ohne Quellenangabe“ angeführt, dass europäische Regierungen, Kirchen und von der EU mitfinanzierte UN-Organisationen“ pro Jahr hundert Millionen Euro an politische NGOs überwiesen, die „überwiegend israelfeindliche Kampagnen“ betrieben.

Man bedauere, „dass die redaktionelle Abnahme im WDR offenbar nicht den üblichen in unserem Haus geltenden Standards genügte“, dies arbeite man intern gerade auf. Dabei gehe „Sorgfalt vor Schnelligkeit“. Man habe „großes Interesse, die Dokumentation zu veröffentlichen, sofern die darin getroffenen Behauptungen und Informationen belegt und journalistisch sorgfältig geprüft sind.“

Die digitale F.A.Z. PLUS
F.A.Z. Edition

Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

Mehr erfahren

So rückt der WDR nicht nur von dem von Jochen Schroeder und Sophie Hafner produzierten Film mit massiven Vorwürfen ab, er stellt zugleich die betreuende Redakteurin in den Regen. Der Hinweis auf die hauseigenen „Standards“ ist insofern erstaunlich, als der Film federführend von einer Redakteurin betreut wurde, die seit Jahrzehnten an führender Stelle für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeitet und sogar einmal Chefredakteurin bei Arte war. Und Schnelligkeit scheint doch auch gefragt zu sein, zumindest wenn man dem Filmemacher Jochen Schroeder glaubt. So sei, sagt er, vor drei Tagen mit einer Antwortfrist von zwölf Stunden von ihm gefordert worden, zu einigen Angaben im Film den Hintergrund zu erläutern, etwa zu der zitierten Behauptung, mit EU-Geldern würden Nichtregierungsorganisationen, die vordergründig israelkritische, in der Sache aber antisemitische Positionen verträten, unterstützt.

Im Gespräch mit FAZ.NET verweist Schroeder in diesem Punkt unter anderem auf die Jahresberichte der in Jerusalem beheimateten Organisation „NGO Monitor“, die sich mit den politischen Hintergründen von NGOs in der ganzen Welt befasst. Auch wundern ihn nun geäußerte Kritikpunkte an dem Film, die im Laufe der vergangenen Monate längst und alle hätten geklärt werden können. Doch habe man daran in der Zentrale von Arte augenscheinlich kein Interesse gehabt. Dass der WDR besonders erpicht darauf ist, den Film zu zeigen, darf man nach der Erklärung des Senders bezweifeln, auch wenn diese mit den Worten endet, man habe „großes Interesse, die Dokumentation zu veröffentlichen, sofern die darin getroffenen Behauptungen und Informationen belegt und journalistisch sorgfältig geprüft sind.“

Der Historiker Michael Wolffsohn hatte zu dem Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ gesagt, es handele sich um „die mit Abstand beste und klügste und historisch tiefste, zugleich leider hochaktuelle und wahre Doku zu diesem Thema“.

Weitere Themen

Augen- Saft und Tote- Mäuse-Wein Video-Seite öffnen

Ideen für das Weihnachtsmenü? : Augen- Saft und Tote- Mäuse-Wein

Das perfkte Weihnachtsmenü zu zaubern, ist eine Kunst. Aber vielleicht dient die „Disgusting Food Exhibition“ in New York als Inspirationsquelle. Wer schon immer mal Fischsperma- Sushi und Heuschrecken probieren wollte, wird hier fündig.

Filmpremiere von autobiografischem Erfolgsroman Video-Seite öffnen

Hape ist zurück : Filmpremiere von autobiografischem Erfolgsroman

Im Film schlüpft Julius Weckauf in die Rolle des neunjährigen Hape Kerkeling. Der zehn Jahre alte Weckauf bekam die Rolle nachdem er sich laut Pressemitteilung der Produzenten „mit großer Spielfreude und mit seinem komödiantischen Talent“ in einem bundesweit angelegten Casting durchsetzte.

Topmeldungen

Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf

Die besten Dartsspieler werfen bei der WM in London ihre Pfeile fast nach Belieben in winzig kleine Felder. Für Professor Metin Tolan ist das in dieser Exaktheit physikalisch kaum erklärbar.

Polizeiskandal in Hessen : Ein Minister in Erklärungsnot

In der Affäre um ein mutmaßliches rechtsextremes Netzwerk in der Frankfurter Polizei wächst der Druck auf den hessischen Innenminister. Die Opposition wirft Beuth vor, Informationen bewusst vorenthalten zu haben – wegen der Landtagswahl.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.