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Wem gehört der Welfenschatz? : Symbolik kann Unrecht nicht tilgen

Umstrittene Enteignung: Tragaltar mit getriebenen Silberfiguren aus dem Welfenschatz, entstanden im 11. Jahrhundert. Bild: bpk / Kunstgewerbemuseum, SMB

Im Restitutionstreit um den Welfenschatz hat der amerikanische Supreme Court entschieden, dass deutsches Recht bindend ist. Das oberste Gericht hat klug abgewogen. Der Spruch zeigt: Gerechtigkeit gibt es nur im Einzelfall.

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          Die Welfen waren ein mächtiges deutsches Fürstengeschlecht. Im mittelalterlichen Reich kämpften sie gegen Kaiser und Könige, und im dreizehnten Jahrhundert stellten sie einmal sogar selbst den Kaiser. Sie hatten allen Grund, um ihr Seelenheil zu fürchten, und trafen Vorsorge für die Abrechnung beim Jüngsten Gericht. In der Kirche neben ihrer Braunschweiger Burg trugen sie eine Sammlung von Knochen der Heiligen zusammen, die als Fürsprecher im Himmel für sie tätig werden sollten. Wie es der Rang dieser Zeugen und ihr eigener vornehmer Stand geboten, ließen die Herzöge kostbare Behältnisse für ihren Reliquienschatz herstellen. Die berühmtesten Goldschmiede der damaligen Welt wurden damit beauftragt.

          In der Neuzeit wurden die Welfen Protestanten. Ihr Familienschatz im Braunschweiger Dom änderte seine Funktion. Aus den spirituellen Ersparnissen wurden Kunstwerke: Gegenstände, die wegen ihrer Machart, ihres Alters und ihres materiellen Wertes dazu bestimmt sind, zur Schau gestellt zu werden. Nachdem die Welfen 1918 wie die übrigen deutschen Fürsten den Rest ihrer Herrschaft verloren hatten, wollten sie ihr Gold zu Geld machen. Drei Frankfurter Kunsthändler gründeten eigens eine Firma, um die Miniaturaltäre, Kruzifixe und Kirchenmodelle zu erwerben.

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