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Bauhaus-Jubiläum : Zu viel Jubel zum Hundertsten

Makellose Klarheit: Das von Heike Hanada mit Benedict Tonon entworfene Bauhaus-Museum in Weimar. Bild: Heike Hanada Laoratory

In Weimar eröffnet das neue Bauhaus-Museum. Die Politik feiert die 1919 gegründete Kunstschule als Inbegriff eines weltoffenen Deutschlands. Doch war sie das?

          5 Min.

          Seit vier Monaten feiert man in Deutschland hundert Jahre Bauhaus. Mit der Einweihung des neuen Bauhaus-Museums in Weimar, wo die Kunstschule im April 1919 gegründet wurde, erreichen die Festivitäten einen Höhepunkt. In Berlin feiert die Ausstellung „Bauhaus imaginista“ den Einfluss der Bauhaus-Lehren in der ganzen Welt (siehe Seite 54), jedes Dorf hat die Dorfstraße durchforstet, ob da nicht irgendeine weiße Kiste steht, die man als Bauhaus-Erbe bewerben und mit den überreichlich zur Verfügung gestellten staatlichen Bordmitteln sanieren könnte. Und so ist etwas Seltsames passiert: Schon vier Monate nach Beginn der für ein Jahr angesetzten Party zeigen sich Ermüdungserscheinungen; schon jetzt wünsche man sich im Kulturbetrieb, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“, „dass es vorfristig Dezember wäre oder gleich 2020, damit man mit dem Namen Bauhaus endlich wieder lediglich einen Baumarkt verbinden darf“.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Gründe für diesen Überdruss waren schon bei der Eröffnungsrede des Bundespräsidenten zum Bauhaus-Jahr in der Berliner Akademie der Künste offenbar geworden. Er selbst, hatte Frank-Walter Steinmeier da zum Besten gegeben, zähle sich zu der „Geschmackselite“, die sich gern mit Bauhaus-Möbeln umgebe – und hatte gleich noch nachgeschoben, was diese selbsternannte Elite mit den sachlichen, kühlen Stahlrohrmöbeln und den weißen Flachdachhäusern so verbindet: ein Bild, eine bewohnbare Metapher des demokratischen Deutschlands der Weimarer Republik. Der glänzende Freischwinger (allein das Wort: frei sein, schwingen statt einfach nur sitzen) ist das zentrale Objekt des hoffnungsvollen Aufbruchs.

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