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Terrordokumente in Seevetal : Wir wissen viel zu wenig

  • -Aktualisiert am

Der Wald in Seevetal, Niedersachsen, in dem am 15. Januar ein Erddepot des Linksterrorismus entdeckt wurde. Bild: dpa/Bearbeitung F.A.S.

Der Zufallsfund der Terrordokumente im Wald von Seevetal erinnert daran, wie viele Verbrechen der RAF und der Revolutionären Zellen nicht aufgeklärt sind. Wir sollten uns damit nicht abfinden.

          7 Min.

          Es ist fast 23 Jahre her, dass die Terroristen der Roten Armee Fraktion am 20. April 1998 mit ihrer sogenannten Auflösungserklärung das „Projekt“ RAF als beendet sahen. Ihr Blick war dabei so radikal eng gefasst, wie es ihnen passte und wie sie die Welt fast 30 Jahre lang gesehen hatten – seit sich ihre Mitglieder Ende der sechziger Jahre zunehmend von der Studentenbewegung abgekapselt hatten, sich radikalisierten, schließlich eine Revolution erfanden, die sie der bundesrepublikanischen Gesellschaft mit Gewalt aufzwingen wollten. Für die Rote Armee Fraktion war die Geschichte 1998 zu Ende – sie ist es bis heute, wenn man die Realität sieht, keinesfalls. Viele Fragen sind offen, immer noch.

          Schon einige Jahre vor der RAF, aber mit weniger medialer Beachtung, hatten nach der Wiedervereinigung zahlreiche Revolutionäre Zellen, ein Zusammenschluss unabhängig voneinander handelnder linksterroristischer Gruppen, ihre Auflösung erklärt. Sie hatten sich in der ersten Hälfte der siebziger Jahre gebildet. Dem Kern ihrer behaupteten Revolution, im Zuge derer ihre Anschläge zum Vorbild für Nachahmungen werden und Menschen dabei verletzt, aber nicht getötet werden sollten, hatten die Revolutionären Zellen durch ihre eigenen Taten immer wieder widersprochen: etwa, als sich zwei ihrer Mitglieder 1976 an der Entführung einer Air-France-Maschine beteiligten, die tagelang andauerte. Oder als Johannes Weinrich, der zu den Mitbegründern der Revolutionären Zellen gehörte, 1983 einen Anschlag auf das Maison de France in Berlin verübte. Ein junger Mann war getötet und 23 Menschen verletzt worden. Zu mindestens 186 Anschlägen bekannten sich die RZ; 1981 auch zu der Ermordung des hessischen Wirtschaftsministers Heinz-Herbert Karry, dessen Tod – durch vier Kugeln, bei Nacht auf das schlafende Opfer abgefeuert – nicht beabsichtigt gewesen sei, schrieben die Täter im Bekennerschreiben, das niemandem half außer ihnen selbst.

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