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Kunstflucht aus der Hauptstadt : Ist Berlin noch zu retten?

Gib Gummi: nicht coronakonforme Demo gegen das Clubsterben. Bild: Daniel Etter/laif

Sammler verlassen die Hauptstadt, Galerien ächzen, Künstler finden immer weniger Raum. Und dann bedroht auch noch Corona die Clubszene. Zeit für radikales Umdenken an der Spree.

          8 Min.

          Berlin-Bashing geht immer. Glamouröse Menschen, die rätselhafte Dinge tun, interessieren auch. Und so rannte zuletzt die Geschichte der Kunstsammler, die der Hauptstadt den Rücken kehren, durch alle Zeitungen und Fernsehjournale. Alles schien so schön verständlich, man wusste es ja schon vorher: Berlin ist zu arrogant, um private Sammler anständig zu behandeln. Zu verschlafen, um seine Museen zusammenzuhalten. Ja, sogar zu dumm, sich die eigenen Immobilien zu sichern.

          Kolja Reichert

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          All das stimmt. Aber das Problem ist viel schlimmer: Das Berlin, von dem hier immer die Rede ist, gibt es gar nicht. Jedenfalls nicht als verantwortliche Stelle, der man die Schuld an irgendetwas geben könnte. „Bei mir meldet sich niemand“, beklagte die Sammlerin Julia Stoschek die mangelnde Wertschätzung in der Stadt. Was erstens nicht stimmt, der Kultursenator wartete auf Rückruf, und die Kulturstaatsministerin sagt, sie selbst habe Stoschek einen günstigeren Mietvertrag für ihre Räume in der Leipziger Straße ausgehandelt. Vor allem aber stellt sich die Frage, wer genau sich bei Julia Stoschek melden soll und auf welche Weise genau bei der Lösung welcher Probleme helfen soll.

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