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Zum Abschied Nikolaus Brenders : Wahrhaftigkeit ist sein Charakter

  • -Aktualisiert am

Nikolaus Brender: Mit ihm sah das Zweite besser - aus Bild: dpa

An diesem Dienstag wird Nikolaus Brender als Chefredakteur des ZDF verabschiedet. Wir wissen, warum er gehen muss. Er war für die Medienpolitik zu unbequem. Das gilt es festzuhalten. Ein Beitrag des früheren WDR-Intendanten Fritz Pleitgen.

          Neulich fragte mich ein Reporter, welche Eigenschaft Nikolaus Brender am meisten auszeichne. Geschmeidigkeit mochte ich dem langjährigen ZDF-Chefredakteur nicht attestieren, diplomatisches Geschick auch nicht. Eine Reihe hübscher Tugenden fiel mir ein: Unabhängigkeit, Leidenschaft, Solidarität, Kompetenz, Streitlust, Witz - allesamt passende Beschreibungen, aber für mich ist Wahrhaftigkeit der herausragende Charakterzug von Nikolaus Brender.

          Dieses Wesensmerkmal hat er sich nirgends und von niemandem abpolieren lassen, was ihn am Ende eine Nummer zu sperrig für unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk machte. Nicht nur beim ZDF, sondern auch beim WDR war er vielen Gremienvertretern nicht geheuer.

          Kennengelernt habe ich Nikolaus Brender im Dezember 1987. Ernst Elitz, Chefredakteur des SDR, hatte uns eingeladen. Wir sollten über unsere Arbeitsbedingungen als Auslandskorrespondenten berichten. Nikolaus Brender über Südamerika, ich über die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten. Als das Thema „Chile unter General Pinochet“ aufs Tapet kam, ließ es Brender nicht an Klarheit in Analyse und Charakterisierung fehlen. Was bei der rachsüchtigen Junta durchaus zu unangenehmen Konsequenzen führen konnte.

          Würdigt den scheidenden Chefredakteur: Fritz Pleitgen, bis 2007 WDR-Intendant, heute Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH

          Ein anderes Kaliber

          Aber auch gegenüber der heimatlichen Politelite war Brender nicht auf Appeasement aus. Was der Südamerika-Korrespondent der ARD über die persönliche und politische Kumpanei des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß mit dem chilenischen Diktator vortrug, wich in seiner scharfen Unmissverständlichkeit deutlich vom öffentlich-rechtlichen Mainstream bei der Beurteilung politischer Akteure ab.

          Nun war FJS in jeder Hinsicht ein anderes Kaliber als Roland Koch heute. Der Ministerpräsident des Freistaates Bayern machte nicht nur Helmut Kohl das Leben als Bundeskanzler schwer, er regierte je nach Stimmungslage auch kräftig in die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hinein, von denen er sich chronisch verfolgt fühlte. Was Brender vom Stapel gelassen hatte, besaß nach den damaligen Maßstäben durchaus die Qualität von gleich mehreren Programmbeschwerden. Ernst Elitz ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Ob er nach der Sendung Ärger bekam, entzieht sich meiner Kenntnis.

          Als mir ein halbes Jahr später Friedrich Nowottny anbot, Chefredakteur beim WDR zu werden, setzte ich mich umgehend mit Nikolaus Brender in Verbindung. Ob er mit mir als Auslandschef nach Köln gehen wolle, fragte ich ihn. „Klar!“, sagte er. „Wann geht es los?“ Sobald der Verwaltungsrat unseren Verträgen zugestimmt habe, ließ ich ihn wissen. „Bürokratenladen!“, bekam ich für meine Auskunft zu hören.

          Zwischen aktivem Journalismus und Programmstrategie

          Wir haben bewegte Jahre erlebt: die Rebellionen im Ostblock, den Niedergang der DDR, die deutsche Einheit, das Ende des Sowjetimperiums, den Golfkrieg. Wir gingen immer an die technischen Grenzen, manchmal auch darüber hinaus, was Rückschläge zur Folge hatte. Wenn etwas schiefging, drückte sich Brender nicht davor, die Verantwortung zu übernehmen. Nach einer heftigen Panne, die wir alle verursacht hatten, bot er spontan seinen Rücktritt an. Ich bat ihn, mich künftig vor derartigen Überlegungen zu verschonen.

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