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Venedigs ungewisse Zukunft : Arme Serenissima!

Nach siebzehn Tagen Ausnahmezustand scheint in Venedig wieder Alltag zu herrschen: Das Wasser ist gesunken und die hölzernen Laufstege wurden abgebaut. Bild: Simon Strauß

Erst die Flut, die in Venedig gewaltige Zerstörung anrichtete, dann das gescheiterte Referendum über die Abspaltung vom Festland: Wird die schönste Stadt der Welt ihrem Schicksal überlassen?

          5 Min.

          Die Ruhe nach dem Sturm. Nach siebzehn Tagen Ausnahmezustand scheint wieder Alltag zu herrschen in der Serenissima. Das Wasser ist gesunken, die „passerelle“, die hölzernen Laufstege, wurden abgebaut, und die Fernsehkameras sind verschwunden. Nur der Elektromüll auf den Straßen, vom Salzwasser zerstörte Kühlschränke, Spül- und Waschmaschinen, erinnert an die apokalyptische Nacht vor zwei Wochen, als innerhalb von wenigen Stunden die Flutwellen auf einen historischen Höchststand anstiegen. Für den Abend des 12. November hatte die Wettervorhersage einen Hochwasserstand von 1,30 Meter vorhergesagt. Im weiteren Verlauf des Abends, bei dem ein Orkan das Wasser der Adria in die Lagune peitschte, revidierte sie ihre Vorhersage nahezu stündlich. Um 22 Uhr sahen sich die Venezianer schon gewaltigen 1,45 Meter gegenüber. Um Mitternacht war das Wasser auf den Rekordwert von 1,87 Meter gestiegen.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          Das war der Moment, als sich Fortunato Ortombina, der Intendant des Teatro La Fenice, auf den Weg zurück in sein Opernhaus machte, um die kostbaren Instrumente zu retten, die im Erdgeschoss in Schränken lagerten und dem durch die Ritzen dringenden Salzwasser schutzlos ausgeliefert waren. Gemeinsam mit Kollegen brach er die Schlösser auf und schaffte Geigen, Klarinetten und Flöten nach oben während im Keller das Wasser in die Sicherungskästen eindrang und die Stromversorgung des Hauses lahmlegte.

          Bis zu einem Maximalwert von 1, 83 Meter können die Sicherheits- und Abpumpsysteme die sensible Technik des Hauses schützen. Doch um Mitternacht stand das Wasser bei 1,87 Meter – die vier zusätzlichen Zentimeter richteten eine gewaltige Zerstörung an. Auf zwei bis drei Millionen Euro schätzt Ortombina die durch die Flut entstandenen Kosten. Das Salzwasser habe erst den Putz zerstört und sei dann in die nackten Steine der Mauern gesickert, auch der Unterbau des Hauses habe Schaden genommen und müsse nun kostenaufwendig untersucht werden.

          Rettet das Fenice – wieder einmal

          Den Spielbetrieb will der Intendant mit Notaggregaten aufrechterhalten. Mit ganzer Kraft hatte sein Haus zuletzt dafür gekämpft, dass die lang vorbereitete Spielzeiteröffnung mit einer Premiere von Verdis „Don Carlo“ stattfinden konnte. Geprobt worden war in einem Ausweichquartier in Treviso, während im Stammhaus Tag und Nacht beim surrenden Lärm der Trocknungsmaschinen gearbeitet worden war. Ortombina ist jetzt auf der „verzweifelten Suche nach Geld“. Die Opernhäuser in Rom, Mailand und Verona planen Spenden-Konzerte und -Opern. Auch von der Stadt erwartet er Unterstützung. Und von Europa. Ortombina sagt: „Es geht jetzt nicht nur darum, einzelne Produktionen zu retten, es geht darum, das Fenice zu retten“. Wieder einmal. 1792 als eines der letzten Bauprojekte der freien Republik Venedig eingeweiht, fiel das wunderschöne Theaterhaus, in dem viele Verdi-Opern uraufgeführt wurden, immer wieder den Flammen zum Opfer.

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