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Zukunft der Zeitung : Das epische Medium

  • -Aktualisiert am

Schreib es aus dir raus

Und der Journalismus? Auch er wird lernen müssen, dass es nicht das eine oder das andere, sondern immer beides zusammen gibt. Im Netz eröffnet sich die Möglichkeit, spontan zu Ereignissen Stellung zu nehmen, dabei womöglich Instantgedanken zu produzieren, die kaum länger als eine Stunde haltbar sind. Und die haben im Netz ihre Berechtigung – neben den vielfältigen Angeboten von „Bürgerjournalismus“. „Schreib es aus dir raus“, nach diesem Motto erwartet der Leser im Netz die Direktübertragung der Gedanken bei ihrer Verfertigung.

In der Zeitung ist das anders. Dort wollen wir originelle, ja einzigartige Inhalte finden, gut recherchierte Reportagen lesen, Geschichten, die durch ein paar Hände und Köpfe gegangen sind. Und wir vertrauen darauf, dass die Zeitung weiß, was wir erwarten. Journalismus im Internet ist nichts anderes als eine Dauerkonversation aller Beteiligten untereinander. Das gedruckte Medium offeriert Geschichten, die aus einem vielschichtigen Diskurs- und Produktionsprozess hervorgehen.

Neben- und miteinander existieren

Wie kann dieses Zusammenspiel konkret aussehen? So wie manche Medienhäuser es in Ansätzen beginnen, aber nicht konsequent umsetzen: Die Aktualität wird durch Newsrooms bearbeitet, die gut und gerne für verschieden Medien und Produkte tätig sein können. Im Feld der generischen Nachricht ist für die Zeitung langfristig kein Wettbewerbsvorteil mehr zu erzielen. Sie braucht Teams von exzellenten Rechercheuren und Autoren, die die Welt entdecken und beschreiben können. Und bei den richtig spannenden, investigativen Geschichten können die „Teaser“ im Netz stehen, um die Nutzer und Leser neugierig zu machen und Diskussionen zu entfachen. Die ganze Geschichte folgt im Blatt, umfassend und so erzählt, dass man nicht mehr aufhören kann zu lesen, bevor die letzte Zeile erreicht ist.

Online und offline müssen sich unterscheiden. Beide haben das Recht, neben- und miteinander zu existieren. Beide sind in ihrer Unterschiedlichkeit und Komplementarität ein Gewinn für den Journalismus, die Vielfalt, die Nutzer. Wie schrieb der amerikanische Dichter Robert Frost Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts: „Poetry is what gets lost in translation.“ Genau so verhält es sich mit online und offline. Wer versucht, das eine in das andere zu übersetzen, hat schon verloren. Wer das nicht versucht, kann nur gewinnen.

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