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Zukunft der VG Wort : Zerstörung, Teil eins

Erst kommt das Buch, dann die Lektüre: In der Verwertungsgesellschaft Wort finden sich Verleger und Autoren zusammen. Die Frage ist, wie lange noch. Bild: dpa

Wie zerlegt man eine Organisation? Man braucht passende juristische Werkzeuge und eine Minderheit, die sie entschlossen nutzt: Was dann geschieht, zeigt die Mitgliederversammlung der VG Wort.

          Am Samstag ist im Münchner Hofbräukeller ein Schauspiel aufgeführt worden. Es ist ein quälendes Stück, ein Drama, dessen vorläufiger Ausgang von einer Winzigkeit abhing: Am Ende nämlich fehlten drei Stimmen, um eine Blockade der Verwertungsgesellschaft Wort zu verhindern. Zu der aber kam es. Denn eine kleine Interessensgruppe hatte erkannt, wie man die VG Wort bei ihrer Satzung packt und mit geringem Aufwand den größtmöglichen Effekt erzielt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es ist Teil eins eines Coup d’Etat, vorbereitet von dem Urheberrechtler Martin Vogel, ermöglicht durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs und exekutiert durch einen Verein freier Journalisten namens „Freischreiber“, der die Mitgliederversammlung der VG Wort in München in bester Sponti-Manier sprengte: Ein wild entschlossenes Dutzend spielte eine übergroße Mehrheit aus, zum Schaden von Hunderttausenden, die von der VG Wort, die Abgaben für Urheberrechte eintreibt, Geld bekommen. Geld – und das ist der absurde Effekt der Aktion derer, denen es angeblich allein um die Autoren geht – bekommt jetzt aber vorläufig niemand. Beschlossen werden sollte, wie Verlage, denen nach dem BGH-Urteil kein Geld der VG Wort zusteht, dieses rückwirkend bis zum Jahr 2012 zurückzahlen und wie die Autoren es erhalten sollen. Zu dem Beschluss kam es nicht, also kann jetzt auch nichts passieren. Kein Geld, für niemanden.

          Warum drei Stimmen entscheiden

          Wieso? Warum kann von drei fehlenden Stimmen abhängen, was Hunderttausende betrifft? Weil sich die VG Wort in sechs Berufsgruppen organisiert hat und für jede Satzungsänderung eine Zweidrittelmehrheit in jeder einzelnen Berufsgruppe notwendig ist. Für den Antrag des Vorstands der VG Wort, wie nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs zu verfahren sei, gab es in fünf Berufsgruppen die notwendige Mehrheit. In einer gab es sie nicht – in der Gruppe der Journalisten (zu welcher auch der Autor als Mitglied zählt). Von 104 anwesenden Stimmen wurden 67 für den Antrag abgegeben, 37 Voten waren dagegen – das waren die Stimmen der „Freischreiber“. Siebzig Stimmen hätten es in dieser Berufsgruppe sein müssen, und die Sache wäre geritzt gewesen. War sie aber nicht. Ob in der Versammlung insgesamt eine Zweidrittelmehrheit dem Vorstand folgen wollte, spielte keine Rolle. Fünf Stunden Beratung und Diskussion waren für die Katz.

          Abgezeichnet hatte sich das allerdings fast von Minute eins an. Denn da hatte der VG-Wort-Gegner Martin Vogel, der als Wissenschaftsautor auch Mitglied ist, behauptet, dass die Verlage nach dem BGH-Urteil gar nicht mit abstimmen dürften. Mit der Ansicht war Vogel freilich allein. Noch sind die Verleger in der VG Wort und dürfen über ihr Schicksal mitbestimmen. Deutlicher aber hätte Vogel sein Motto – das er und die Präzeptoren der „Freischreiber“ als Mantra fünf Stunden lang wieder und wieder verkündeten – nicht ausdrücken können. Es lautet: Verleger haben keine Urheberrechte, sie haben in der VG Wort nichts zu melden.

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