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Zukunft der Türkei : Kommt jetzt das Kalifat?

  • -Aktualisiert am

Der türkische Präsident mit seiner Ehefrau Emine in der Hagia Sophia Bild: dpa

Versperrte Wege: Wofür die Türkei dem Westen nicht mehr zur Verfügung steht und wohin sie unter dem „neuen Sultan“ treibt. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Am 10. Juli hielt Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan eine Rede, nachdem das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei die Rückumwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee ermöglicht hatte. Die Rede zeigt deutlich die Grundmuster der heutigen türkischen Staatsrhetorik: Nicht die Rückumwandlung des Museums in eine Moschee, die das selbstverständliche Recht einer souveränen Türkei sei, stehe zur Debatte, sondern die überall in der Welt aufquellende Islamfeindlichkeit. Die Wiedereröffnung der Hagia Sophia als Moschee sei zudem ein Vorbote dafür, dass die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem bald wieder ihre Freiheit – nicht anders zu deuten als: von der israelischen Besatzung – erlangen könne.

          Der Grundtenor ist klar: Der eigene Expansionismus erklärt sich zur Schutzmaßnahme gegen die Aggression der anderen; an der Berechtigung des Handelns dieser Regierung könnten nur Übelwollende zweifeln, wenn es so offensichtlich zum Wohle aller Muslime und letztlich der Menschheit sei. Lässt man für einen Augenblick die ausgeprägt islamistische Auskleidung dieser Rhetorik beiseite, so sind die Ähnlichkeiten zum gegenwärtigen Selbstbild und Auftreten Chinas bemerkenswert: Die Türkei ist ein Staat, der dank seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, machtpolitischen Position und identitätspolitischen Ressourcen anderen Staaten seine Spielregeln und moralisch-ethische Sicht der Dinge aufnötigen will.

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