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Zukunft der Mobilität : Wieso knattern wir mit Verbrennungsmotoren herum?

  • -Aktualisiert am

Vorbild Ostsee, 1920: Warum knattern wir im 21. Jahrhundert mit albernen Verbrennungsmotoren herum? Etwa, weil alles, was mit Feuer, Krach und Gefahr zu tun hat, einst als männlich galt? Bild: Picture-Alliance

Mit voller Absicht veraltete, unsinnige Technik: Der Individualverkehr ist so, wie er ist, politisch und wirtschaftlich gewollt. Die Industrie hat Alternativen in der Schublade – aber die machen nur wenig her.

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          Mobilität ist mehr als nur Opium fürs Volk, vielleicht eher dessen Nervensystem. Mittlerweile steht die offenbar vorschnell als Rettung der Demokratie gefeierte politische Bewegung des französischen Präsidenten Macron in ihrer Existenz selbst in Frage. Die Idee, der Bevölkerung eine Steuer für die Produktion von Kohlendioxid zu oktroyieren, steht dem Protest in skandalöser Größe allerdings keineswegs nach. Sie übersteigt ihn sogar, wenn man bedenkt, dass die Industrie preiswerteres, ökologischeres Fahren seit je vorenthält. Das tut sie mit aktiver und, so muss man sagen, mit aggressivster Unterstützung der Politik. Denn die Autos, mit denen wir fahren, sind der wohl krasseste Fall von gesteuerter Obsoleszenz: der mit voller Absicht veralteten, unsinnigen Technik.

          Das Ausmaß ist horrend: Den konsequent auf Effizienz hin zu Ende gedachten Antrieb stellten Ludwig Lohner und Ferdinand Porsche auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 vor. Der Lohner-Porsche ist ein transmissionsloses Auto: Es hat keine Kupplung oder verlustreiche Automatikschaltung im Ölbad und kein schweres, mahlendes Getriebe. Es hat keine träge rotierende Kardanwelle. Es hat kein Differential, das die mühsam hergestellte Leistung des Motors noch viel mühsamer, weil mechanisch um einen rechten Winkel lenkt und ebenso mechanisch, in zwei Richtungen aufteilt, damit man auch um die Kurve kommt. Es hat keine massigen Halbwellen mit knirschenden Gelenken. Stattdessen hat es zwei Kabel, die den Strom einer Batterie an zwei Motoren verteilt, die ihre Kraft fröhlich dort freisetzen, wo sie gebraucht wird: in der Radnabe. Der Lohner-Porsche war ein großer Erfolg auf der Weltausstellung – kein Wunder, dass Daimler das Patent kaufte.

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