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Söders Filmpolitik : Im Kino gewesen, von Youtubern geträumt

Cineast und Serienfan: Markus Söder, hier bei der Sitzung des CSU-Parteivorstands, Anfang der Woche in München. Bild: dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will das Filmfest München zum Medienfestival machen, mit Gamern, Youtubern und Virtual Reality. Ein Cineast und Fan von „Game of Thrones“ ist Söder auch. Da kann doch nichts schiefgehen.

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          Sage niemand, die Union sei nicht lernfähig. Zumindest der kleineren der beiden Schwesterparteien sollte man mit dem alten Merkel-Gag vom Internet als „Neuland“ nicht mehr kommen. Und dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder schon gar nicht. Während sich das Berliner Konrad-Adenauer-Haus in Sachen Digitalagenda erst noch sortieren muss, hat Söder verstanden. Er hat einen Plan, mit dem er auf mehreren Feldern zugleich Land gewinnt. Er will das Filmfest München aufmöbeln, einen Influencer-Preis ausloben, vielleicht sogar ein ganzes Youtuber-Festival veranstalten und eine „nationale Film-GmbH“ ins Leben rufen, in der die Filmförderung aus Bund und Ländern zusammenfließt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So viel auf einen Streich hat Söder im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ verkündet und sehr geschickt so etwas wie eine Digital-Regierungserklärung abgegeben, in der er zum Auftakt des heute beginnenden Münchner Filmfests die Aufmerksamkeit auf den Freistaat und die Landeshauptstadt lenkt und Berlin den Ball zuspielt. Dabei muss er aber zunächst einmal seine Hausaufgaben erledigen. Das Münchner Filmfest hat seit seiner Gründung im Jahr 1983 seine liebe Not und Müh damit, sich hinter der Berlinale als erstes B-Filmfestival im Lande zu profilieren. Internationale Premieren gibt es hier nicht, große Namen kommen nur, wenn sie etwas zu verkaufen haben. Das von Land und Stadt gemeinsam getragene Budget ist mit 3,5 Millionen Euro im Vergleich zur Berlinale mit zuletzt 26 Millionen Euro winzig, wird von Söder jetzt aber um drei Millionen Euro aufgestockt. Doch geht es beim Filmfest München nicht um die Finanzen, sondern um das Konzept. Das sah schon immer ein wenig nach Bauchladen aus, in dem möglichst viele (immerhin 80 000 Besucher pro Jahr) möglichst vieles finden sollen: neben dem Wettbewerb den Nachwuchsfilm und das Neue Deutsche Kino, „International Independents“, das „Spotlight“, die „Hommage“, das Kinderfilmfest und das „Neue Deutsche Fernsehen“. Letzteres ist zwar mit dem renommierten Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis bewehrt, sieht aber nur insofern „neu“ aus, als dass Opas alte Fernsehkanäle hier ihre jüngsten Produktionen bewerben. Das sorgt zwar für ein Stelldichein der Branche, die in Sachen Kino neben der Filmförderung von den öffentlich-rechtlichen Sendern abhängig ist, eine Revolution aber geht von diesem Münchner Fernsehgarten nicht aus.

          Da sind die Ideen des Markus Söder schon ein wenig steiler: Games, Virtual Reality, Youtuber sollen mit von der Partie sein, aus dem Filmfest würde ein Medienfestival. Das birgt zwar die Gefahr eines noch größeren Sammelsuriums, nimmt aber eine Entwicklung auf, die sich längst vollzogen hat. Produktionsfirmen wie die hierzulande führende Ufa arbeiten von der ersten Stoffentwicklung an mit Blick auf alle Kanäle – Internet, Streamingdienste, Mediatheken, öffentlich-rechtliche, private und Abosender und das Kino – und auf alle Talente, die man dafür versammeln muss. Eine Ausbildungsstätte wie die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg hat sich, wie deren Direktor Thomas Schadt im Interview mit dieser Zeitung unlängst erläuterte (F.A.Z. vom 7. Juni), längst darauf eingestellt und bringt Absolventen hervor, die sich auf allen Plattformen bewegen können. Sender gehen ins Netz. Youtuber gehen ins Fernsehen – ARD und ZDF haben dafür eigens das Angebot „funk“ als Anlaufstelle geschaffen, und die Games-Branche schließlich stellt nicht nur dem Umsatz nach – 3,3 Milliarden Euro in Deutschland 2017, geschätzte 72 Milliarden Euro in diesem Jahr weltweit – das Kino in den Schatten. Sie investiert in großem Stil in Kreation, Recherche und technisches Knowhow.

          Da kann man schon darüber nachdenken, ob sich München davon nicht eine Scheibe abschneiden sollte. Wobei Markus Söder Standort-, Wirtschafts- und Kulturpolitik wie selbstverständlich zu verbinden und mit dem Zaunpfahl Richtung Münchner Stadtregierung und Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu winken weiß, wenn er sagt: „Geld schießt nicht nur Tore, Geld zieht auch Kultur an.“

          An der „nationalen Film-GmbH“ dürfte er sich die Zähne indes ausbeißen. Denn um die zu schaffen, um Bund und Länder zu einen, müsste die Kardinalfrage der Filmförderung beantwortet werden, die da lautet: Was fördern wir denn? Künstlerisch Vielversprechendes, Nachwuchs, Regionales, Nationales, Arthouse, Blockbuster für den Weltmarkt? Ihm habe gefallen, sagt der Kino- und Serienfan Söder, dass der Drache bei „Game of Thrones“ am Ende den Eisernen Thron eingeschmolzen habe. Mit seiner Ankündigung setzt der bayerische Ministerpräsident nun andere auf den heißen Stuhl, bis hin zu Annegret Kramp-Karrenbauer, gegen die er schon als potentieller Kanzlerinnen-Nachfolger in Stellung gebracht wird. Die Verbrennungsgefahr ist bei alldem inklusive – vor allem, wenn den Entwürfen nichts folgt. Was einen im Fall von Markus Söder allerdings wundern würde.

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