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Zu Gast bei einer Treibjagd : „Ein Horri-do, ein Horri-do, ein Waidmannsheil!“

  • -Aktualisiert am

Um halb zehn Uhr morgens sind alle zweiundsiebzig Schützen im Revier verteilt. In ihren orangen Jacken sitzen sie in Einsamkeit und Kälte. Bild: Picture-Alliance

Zu Gast bei einer Treibjagd unter Grafen, Lobbyisten und Autozulieferern: Wer vormittags den Rehbock schießt, der wird verspottet und zahlt in Silber.

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          Viele der geladenen Jagdgäste kennen sich schon sehr lange. Manche seit der Grundschule. Andere kennen sich seit Jahrhunderten, gut, mehr als gut. Die Geschichten ihrer Urgroßväter und Urgroßmütter erzählen sie sich immer wieder, wie in Familien üblich. Es ist acht Uhr früh und die meisten Mitfahrenden kennen diese Legenden schließlich noch nicht. Das feuert an, und so reden sie sich warm, erzählen, als wären diese Legenden eben erst passiert, reden glühend, wie im Triumph, und unter lautem Gelächter.

          „Ihr!“, kräht Herr von V. von der Rückbank des dunkelgrünen VW-Busses, der die Jäger ins Revier bringt und durch die Schlaglöcher und Pfützen knallt als gäbe es kein Morgen. „Ihr!“, „Ihr seid doch die größten Strolche und Diebe weit und breit! Vor Euch ist doch nichts sicher! Was hat mein Urgroßvater immer erzählt? Der Älteste – und wir haben Fideikommiß, versteht sich – der älteste Sohn und alleinige Erbe also heiratet eine von Euch und was passiert? Er stirbt in der Hochzeitsnacht. Und was macht sie? Nimmt alles, was sie tragen und transportieren kann, Geschirr, Silber, Schmuck, und kehrt noch in derselben Nacht halsüberkopf nach Hause zurück!“ Er lacht noch mal so laut und sein freundliches Gesicht färbt sich noch etwas dunkler rot. „Deswegen sagte mein Vater immer: „Zu den S. gehen wir nicht, ich setze mich doch nicht an deren Tisch und esse da von meinem eigenen Geschirr und Silber!“ Der Bus bebt vor Gelächter, am herzhaftesten lacht Graf S. selbst.

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