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Zölibat als Bestseller : Ein Herz oder zwei?

Einander nah: Im November 2010 setzte Papst Benedikt XVI. Robert Sarah als Kardinal ein. Bild: Picture-Alliance

Hat Benedikt XVI. an einem Sabotage-Thriller mitgewirkt? Der Wirbel um die Publikationsgeschichte des heute erscheinenden Zölibat-Buches wirkt wie aus dem Masterplan eines Literaturagenten.

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          Alle die Phantasie beflügelnden Bedingungen für einen Weltbestseller sind erfüllt. Das Buch schillert noch vor der Lektüre als Projektionsfläche für einen Sabotage-Thriller mit Dan-Brown-Flair, um sich in letzter Minute mit dem Skandal in Szene zu setzen, dass der auf dem Cover als Ko-Autor ausgewiesene Schattenpapst (vulgo: Emeritus) Benedikt XVI. die Entfernung seines Namens und Bildes auf besagter Publikation wünsche, auch solle seine Unterschrift unter Einführung und Schlusswort gestrichen werden, weil er diese nicht mitverfasst habe. Nur sein eigener Beitrag im Hauptteil sei „100 Prozent Benedikt“, so sagte Georg Gänswein, Benedikts Sekretär, es gestern der Katholischen Nachrichten-Agentur, ein Missverständnis, pardon, an den guten Absichten von Robert Kardinal Sarah, dem Regisseur und Hauptautor des Buches, solle deshalb keinesfalls gezweifelt werden (der im übrigen eine eigene Darstellung der Publikationsgeschichte gibt).

          Tücke des Objektes

          Dem Kardinal, so Gänswein, habe Benedikt auf dessen Bitten hin einen schon im vorigen Sommer begonnenen Text über das zölibatäre Priesteramt zur freien Verfügung geschickt, für ein geplantes Buch, ja gewiss, doch nicht wissend, wie die tatsächliche Form und Aufmachung (Ko-Autorschaft) dieser Publikation ausfallen würde. Muss nun auch der Titel „Aus der Tiefe unserer Herzen“ abgespeckt werden? Darf er nur heißen „Aus der Tiefe meines Herzens“, Sarahs nämlich, während Benedikt sein Herz jedenfalls nicht im Titel ausschütten möchte? Wäre es nicht die vom Sekretär behauptete Tücke des Objektes, so könnte der Vorgang dem Masterplan eines Literaturagenten entsprungen sein, welcher sich vor die Aufgabe gestellt sah, aus einem Traktat übers Zölibat, einer doch eher partikular bewegenden Thematik, einen Reißer zu machen. Tatsächlich wurde die Vor-und-zurück-Bewegung – Sarahs kalkulierte Provokation mittels Vorabveröffentlichung in „Le Figaro“ und das folgende Dementi der Ko-Autorschaft Joseph Ratzingers – zusätzlich noch vom vatikanischen Presseamt dynamisiert. Ein Sprecher dort beeilte sich mitzuteilen, dass doch auch Papst Franziskus ein Freund des Zölibates sei, so habe dieser im vorigen Jahr erklärt, er sei nicht damit einverstanden, das optionale Zölibat zu erlauben – freilich im Rahmen der für den päpstlichen Amtsinhaber typischen Fußnotenpolitik („nur für die entlegensten Orte“), welche stets auch das Gegenteil des Gesagten möglich macht.

          Verkaufsfördernd dürfte auch dieser Hakenschlag allemal sein, schlägt der vatikanischen Pressepolitik zufolge ja nun sogar noch ein drittes Herz auf dem Buchcover, dasjenige von Franziskus nämlich, welches demnach mitnichten vom Vorgänger gebrochen würde – so kommt der Herzensbrecher in seiner Verleugnung recht eigentlich erst zum Zuge. Am Ende ist es eine doppelte Autoren-Fiktion, der sich das Vorab-Raunen um das nun zunächst auf Französisch, im Februar auch hierzulande erscheinende Buch verdankt: Als sei da jemand Ko-Autor, der das doch gar nicht sein will (siehe oben) und zugleich Papa emeritus, der das doch gar nicht sein kann (siehe Kirchenrecht und -geschichte). Macht unterm Strich zwei Phantasieprodukte für den Preis eines einzigen durchschlagenden Buchs.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

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