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Zeltlager in Heathrow : Alles hört aufs Ökogesetz

  • -Aktualisiert am

Panoramablick auf den Feind: Aktivist in Heathrow Bild: AFP

Zelten gegen den Flugverkehr: Klimaschützer haben sich am Rand des Flughafens Heathrow versammelt, um gegen dessen Ausbau zu protestieren. Es ist die Rebellion einer utopischen Mustergesellschaft. Die Polizei macht sich dennoch auf das Schlimmste gefasst.

          Der Name sei Middleton, Thea Middleton - „keine Verwandschaft mit Kate“, fügt die zwanzigjährige Studentin neckisch hinzu. Im geblümten Rock manövriert sie etwas ungelenk eine mit Holzbrettern beladene Schubkarre über die Wiese. Mit ihrem frischen Englische-Rose-Teint, dem Band, das ihr wildes blondes Haar bändigt, und den bunt zusammengewürfelten Anziehsachen entspricht sie jenem nostalgisch angehauchten, ländlichen Grunge-Look, der für Modeshoots aufwendig gestylt wird, nur dass hier ein echtes Exemplar zu sehen ist.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Studentin gehört einer Umweltorganisation an, die sich „plane stupid“ nennt, ein Wortspiel, was so viel heißt wie „saudumm“ oder „Flugzeugidiot“. Sie bekämpft die Luftfahrtindustrie, auch durch Sabotage, und gehört zu den rund fünfzehn Gruppierungen, die sich für die Dauer einer Woche in einem Lager für Klimaschutz am Rand des Flughafens Heathrow versammeln, um gegen dessen Erweiterung zu protestieren. Am Sonntag sollen die Veranstatungen in einer Großaktion gipfeln, zu der tausendfünfhundert Aktivisten erwartet werden.

          Die Wucht des Gesetzes

          Es sind eine dritte Startbahn und ein weiterer Terminal geplant, deren Bau diese Aktion unterbinden will. Der Flughafenbetreiber BAA (British Airport Authority) hatte versucht, die Wucht des Gesetzes anzuwenden mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung, die, wie alarmistische Schlagzeilen warnten, die Polizei unter dem neuen Antiterrorgesetz berechtigt hätte, auch sämtliche Mitglieder von brav-bürgerlichen, umweltbewussten Organisationen wie dem National Trust, die sich ohne Voranmeldung nach Heathrow begaben, bereits in der U-Bahn auf dem Weg dorthin festzunehmen.

          Panoramablick auf den Feind: Aktivist in Heathrow Bilderstrecke

          Die überzogenen Forderungen haben wiederum jene Gruppen aufgebracht, welche die zusehende Verschärfung der Antiterrorgesetzgebung als Beschneidung der Bürgerrechte verurteilen. Das Oberste Gericht wandte zwar ein, dass Terrororganisationen den Deckmantel des Umweltschutzes ausnutzen könnten, doch gab es dem Antrag nur bedingt statt, so dass die seit einem Jahr geplante Demonstration nun stattfinden darf.

          „Verbrecherische Großunternehmen“

          Als üble Verleumdungskampagne, hinter der sie BAA vermuten, bezeichnen die Klimaaktivisten die Behauptung, sie wollten den Flughafen lahmlegen. Immer wieder wird beteuert, dass man es nicht auf die Passagiere abgesehen habe, sondern auf die „verbrecherischen Großunternehmen“ und die Regierung, die sich in dem „absurden Widerspruch“ verstricke, einerseits die Kohlendioxidemission bis 2050 um sechzig Prozent reduzieren zu wollen, und andererseits die Flughafenexpansion vorantreibe.

          Ein kurioser Aufruf der Verbände an die Demonstranten, auch propere Anzüge mitzubringen und sich Uniformen zu beschaffen, wie sie das Flugpersonal trägt, hatte die Befürchtungen genährt, dass die Aktivisten sich einschleusen wollten, um Sabotage zu betreiben. Diese Vorwüfe weisen die beteiligten Organisationen als lächerlich zurück. Schon aus Sicherheitsgründen seien keine Überschreitungen der Zäune geplant, sondern nur friedfertige Demontrationen und Seminare zu Themen wie Recycling, Fahrradinstandhaltung, Baumschutz und anderen Klimafragen.

          Selbstgebastelte Stewardessen-Uniformen

          Die Sprecher gaben allerdings zu, dass die Anzüge dazu dienen sollten, sich Zugang zum Hauptgebäude von BAA zu verschaffen - den man den zotteligen Alternativen mit ihren verfilzten Rastalocken und dem obligatorischen Nasenring freilich von vornherein verweigern würde. Die selbstgebastelten Stewardessen-Uniformen hingegen seien derart amateurhaft, dass wahrlich eine Sicherheitsbedrohung bestehe, wenn jemand damit durchkäme. Vielmehr wollten die Umweltschützer ihr ernstes Geschäft mit etwas Spaß auflockern. Zu diesem Zweck seien Tanz- und Gesangsnummern vorgesehen, aufgeführt in Flugpersonalverkleidung.

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