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Youtube zahlt Gema : Ob der Deal fair ist, wird sich zeigen

Bild: dpa

Die Gema spricht von einem großen Erfolg, Youtube meint, die faire Vergütung von Musikern sei nun „weiterhin“ garantiert. Was das in Heller und Pfennig bedeutet, bleibt ein Geheimnis - noch. Ein Kommentar.

          Die Gema spricht von einem „Meilenstein“, und um einen solchen handelt es sich: Die Videoplattform Youtube zahlt an die Rechteverwertungsgesellschaft eine Abgabe für alle Musikstücke von Künstlern, die von der Gema vertreten werden. Das sind rund siebzigtausend Komponisten und Musiker zumeist aus dem deutschsprachigen Raum und zwei Millionen Urheber weltweit. Die roten Sperrtafeln, die auf dem Bildschirm hiesiger Youtube-Nutzer auftauchten, wenn sie das Video eines Musikers anklickten, der bei der Gema ist, gehören der Vergangenheit an.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Einigung zwischen der Gema und Youtube ist also eine gute Nachricht für Musikfans ebenso wie für Musiker und für Urheber generell. Sie gibt das Signal, dass schöpferisches und geistiges Eigentum auch im Internet etwas wert und nicht Allgemeingut ist, bei dem sich jeder bedienen kann und an dem - durch Werbung - vornehmlich oder nur der verdient, der die Werke zugänglich macht. Darauf lautet bekanntlich das Geschäftsmodell der großen Online-Konzerne aus dem Silicon Valley. Sie verdienen Milliarden mit dem geistigen Eigentum anderer.

          Das ist ein Quantensprung

          Bei Youtube und dem Mutterkonzern Google beziehungsweise Alphabet scheint es aber inzwischen das Einsehen zu geben, dass man diejenigen, von deren Schöpfungen man lebt, nicht ganz leer ausgehen lassen sollte. Befördert hat das sicherlich der Druck, den die deutsche Politik durch die Einrichtung des Leistungsschutzrechts ausgeübt hat. Das Wirken des Digital-Kommissars Günther Oettinger, der durchblicken lässt, das er sich für Urheber- und Verlegerrechte einsetzt, bleibt augenscheinlich auch nicht ohne Folgen, mehr aber noch muss sich Google vor dem Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission fürchten, in dem geprüft wird, ob der Konzern zum Beispiel seine global marktbeherrschende Position auf dem Suchmaschinenmarkt zu seinen Gunsten ausnutzt.

          Youtube spricht bei der Einigung mit der Gema nun davon, man wolle sicherstellen, „dass Autoren, Komponisten und Musikverleger auch weiterhin fair bezahlt werden“. Weiterhin? Haben wir da irgendetwas verpasst? Seit 2009 hat Youtube an die von der Gema vertretenen Rechteinhaber gar nichts gezahlt. Nun bekommen sie rückwirkend eine Abschlagszahlung. Wie „fair“, also angemessen diese ist, wie „fair“ die Lizenzvereinbarung an sich ausfällt, werden die von der Gema vertretenen Künstler ermessen können, wenn sie die erste Abrechnung bekommen. Mit 0,375 Cent pro Abruf eines Musikvideos dürfen sie wohl nicht rechnen. Diese Summe hatte die Gema bei ihrer Klage gegen Youtube veranschlagt, war mit dem Ansinnen, von dem Videoportal Schadenersatz für die Urheber zu bekommen, aber in zwei Instanzen gescheitert. Der Rechtsstreit wird nun ad acta gelegt.

          Ob der Deal, den die Gema und Youtube stattdessen abgeschlossen haben, sich nicht nur grundsätzlich lohnt, sondern in Heller und Pfennig, und es sich nicht um eine pekuniäre Opera buffa handelt, werden die Gema-Künstler sehen. Zu bemerken ist noch, dass es sich um eine freiwillige Vereinbarung handelt. Den Rechtsanspruch der Gema erkennt Youtube nicht an. „Unbefriedigend ist“, sagt daher der Gema-Justitiar Tobias Holzmüller im Gespräch, „dass wir auf freiwillige Zahlungen angewiesen sind, weil nach aktueller Urteilslage eigentlich die Uploader und nicht die Plattformen die Vergütung schulden. Das muss sich ändern.“ Es bleibt also noch etwas zu tun - für den Gesetzgeber. Damit aus dem Quarten- ein Quantensprung wird und aus dem „Meilenstein“ ein Fundament für einen fairen Deal, von dem nicht nur Musikurheber etwas haben.

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