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Amerikas Nationalismus : Der lange Schatten des Rassismus

  • -Aktualisiert am

Amerika bezieht seine Stärke aus der Einwanderung

Bereits zuvor waren japanische Einwanderer Opfer rassistischer Diffamierung geworden. Xenophobe Gruppen wie die Asian Exclusion League und die Native Sons of the Golden West agitierten gegen die „gelbe Gefahr“. Japanern wurde der Erwerb von Grundeigentum erschwert. 1924 untersagte der „Immigration Act“ jedwede Einwanderung aus Japan und anderen Teilen Asiens. Zugleich entstand das bis 1965 bestehende, von Johnson aufgehobene System, das die jährliche Zahl der Einwanderer aus einem bestimmten Land auf zwei Prozent der bis 1890 eingewanderten Landsleute begrenzte. Diese Quoten drosselten die Immigration allgemein und diskriminierten gezielt bestimmte unerwünschte Gruppen wie Süd- und Osteuropäer, Araber und Afrikaner. Dem Gesetz lag die Furcht vor dem Verlust der angelsächsischen Dominanz und vor der Unterwanderung durch russische Kommunisten zugrunde. Die Quoten verdächtiger Länder waren aberwitzig niedrig. Syrien, Palästina und Ägypten bekamen je hundert Plätze und der gesamte afrikanische Kontinent 1200. Deutschland erhielt dagegen 51.277 Plätze.

Das Trump-Lager will das Land zu früherer Größe zurückführen. Daher spielt der Rückbezug auf die eigene Geschichte eine große Rolle. Im Januar lobte Jeff Sessions kurz vor seiner Ernennung zum Justizminister den „Immigration Act“ von 1924. Im November 2016 begründete der Trump-Anhänger Carl Higbie von der Lobbygruppe Great America PAC die bis 2015 auch von Trump erhobene Forderung nach der Registrierung aller Muslime in den Vereinigten Staaten mit dem Hinweis auf die Internierungspraxis im Krieg.

Die heutige Einwanderungspolitik ist nicht nur planlos und ideologisch aufgeladen, sondern auch voller bedrückender Kontinuitäten. Nationalismus und Xenophobie, Rassismus sowie die Diffamierung Andersgläubiger und kleiner Minderheiten sind keineswegs überwunden. Der Kult des weißen Amerikas lebt ebenso wie die Tradition des Nativismus. Dessen traurige Ironie ist es, dass die Eltern und Großeltern der „nativists“ fast immer selbst Migranten gewesen waren. Die Parallele zu Donald Trump drängt sich auf. Der Enkel eines Einwanderers heiratete zweimal eine Migrantin der ersten Generation und könnte eigentlich ein Fürsprecher der Einwanderer sein. Stattdessen verspricht er den im Land geborenen weißen Mittel- und Unterschichten, mit Hilfe von Protektionismus und Abschottung die Zeit zurückzudrehen, ohne übrigens zu sagen, in welche historische Epoche er eigentlich zurückkehren will. Der Schaden für ein Land, das seine Stärke stets aus der Einwanderung bezogen hat, wird immens sein, ganz zu schweigen von dem Leid der betroffenen Menschen.

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