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„Das war ein Hexenkessel“ : Woher die Gewalt von Stuttgart kam

Menschen stehen vor einem geplünderten Geschäft in der Stuttgarter Marienstraße. Bild: dpa

Ausgerechnet im harmlosen Stuttgart verwüstet ein Mob die Innenstadt. Woher kommt die Gewalt? Und wissen die jungen Menschen überhaupt, was sie tun?

          7 Min.

          Welch komfortable Blase sich während der andächtigen, abenteuerlichen Zeit des erzwungenen Zuhausebleibens auch um den Autor dieser Zeilen geschlossen hatte, wurde anschaulich, als er nach den Wochen des Abstands zum ersten Mal wieder in die Heimat fuhr, fünfundvierzig Minuten vom Stuttgarter Hauptbahnhof, um die Familie und alte Freunde zu sehen. Pia zum Beispiel, Jugendreferentin der Stadt Gaildorf, noch ein bisschen weiter draußen. Sie hatte lange das Jugendhaus in Leutenbach bei Winnenden geleitet, wo 2009 ein Schüler der Albertville-Realschule fünfzehn Menschen und sich selbst erschoss.

          Kolja Reichert

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Jetzt erzählte sie von Treffen mit Sozialarbeitern und Suchtberatern, die sich ohnmächtig fühlten, weil sie während der Kontaktbeschränkung ihre Klienten nicht mehr sprechen konnten. Von zwei Brüdern, die mit ihrem Freund einen Döner kaufen wollten und dafür jeder 130 Euro Strafe zahlen sollten. Die aber weder das Geld hatten, die Strafe zu bezahlen, noch einen anderen Ort, an dem sie sich hätten treffen können, noch in der Lage waren, den Sinn der Corona-Regeln zu verstehen. Sie erzählte von Jugendlichen, die verstummten, weil sie nichts mehr erlebten, über das sie sich mit ihren Freundinnen hätten austauschen können. Und von der jungen Syrerin, die gerade die Polizei am Hals hat, weil sie in der Drogerie vergessen hatte, den Foto-Entwicklungsbon über 1,50 Euro aufs Band zu legen.

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