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Senait Mehari : Unter Beschuss

Wird die Popsängerin Senait Mehari verleumdet? Bild: ddp

Die Popsängerin Senait Mehari hat ein Buch geschrieben, das drei Jahre nach dem Erscheinen von einem Medienmagazin skandalisiert wird. Es geht um Kindersoldaten in Afrika, um Glaubwürdigkeit - und um die Rolle der deutschen Presse.

          Es ist ein exemplarischer Fall. Eine Erinnerung an die eigene Kindheit, die für das Schicksal eines ganzen Volkes steht. Stehen könnte. Oder nicht stehen soll. Je nach dem, woran man sich erinnert und woran man nicht erinnert werden will. Als die aus Eritrea stammende Popsängerin Senait Mehari vor drei Jahren ihr Buch „Feuerherz“ herausbrachte, deutete sich der Konflikt noch nicht an. Jetzt, da aus dem Buch ein Film werden soll, ist das anders (siehe auch: Für das Medienmagazin „Zapp“ ist Senait Mehari eine Lügnerin). Ihre Glaubwürdigkeit wird in Zweifel gezogen und damit Geschichtspolitik gemacht. Wem sollen wir glauben? War Senait Mehari eine „Kindersoldatin“, oder war sie es nicht? Diese Frage steht am Anfang, am Ende geht es darum, ob es im Unabhängigkeitskrieg zwischen Eritrea und Äthiopien Kindersoldaten überhaupt gegeben hat. Eine seltsame Kontroverse, scheinbar fernliegend, ausgelöst durch einen Beitrag des NDR-Magazins „Zapp“, gegen dessen Vorwürfe Mehari jetzt klagen will, wie sie der „Berliner Zeitung“ sagte. Und ein Paradebeispiel für die Wirkungsmechanismen der Medien. Denn die Geschichte ist zu kompliziert, um sie in ein Schwarz-Weiss-Schema zu pressen, auf das Kontroversen in der Mediengesellschaft so gerne gebracht werden.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Hallo Senait, ich kann Dir ein Foto geben, auf dem ich und andere eine Waffe tragen. Wir waren Kinder, und keine Erwachsenen. Den Begriff ,Manju' kennst Du mit Sicherheit.“ Der Verfasser möchte anonym bleiben, statt seines Namens stehen die Worte „Gib nicht auf!“ am Schluss der E-Mail, die Senait Mehari vorgestern Abend bekommen hat. „Manju“, erklärt sie, habe man die jungen Kämpfer bei der ELF, der „Eritrean Liberation Front“, genannt. Das sei arabisch und bedeute so viel wie „Kleiner“. Ob der Anonymus ihr helfen kann, weiß die Eritreerin nicht. Die meisten ihrer Landsleute, die für sie sprechen könnten, hätten Angst. „Es wird massiv Druck ausgeübt. Die Regierung zu kritisieren bedeutet Gefahr für die Familien in Eritrea.“ Für sie, die sich mit ihrem Engagements für Kindersoldaten einen Namen gemacht hat, steht viel auf dem Spiel.

          Es gibt dort keine Löwen - aber darum geht es nicht

          Als sechsjähriges Mädchen wurde sie vom eigenen Vater in ein Militärlager verschleppt und dort zum Dienst an der Waffe gezwungen. Davon handelt ihr Buch „Feuerherz“. Andreas Bareis, der als Produzent von „Nirgendwo in Afrika“ einen Oscar erhielt, will es verfilmen. Eine Woche ist es her, dass „Zapp“ die Glaubwürdigkeit der Zweiunddreißigjährigen in Zweifel zog. Seither rollt die Medienlawine. Ihr Buch sei fehlerhaft und gebe die Wirklichkeit nicht wieder. Sie profitiere nur von der westlichen Betroffenheitsindustrie. Der Droemer-Knaur Verlag stellte sich hinter die Autorin, ebenso wie die Menschenrechtsorganisationen, für die Mehari sich engagiert.

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