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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Wird Facebook umbenannt? : A und O

Längst vergangener Blick in die Zukunft: Mark Zuckerberg gewährte im Februar 2016 Prominenz aus Politik und Medien in Berlin einen Blick in die Virtual Reality. Bild: Picture Alliance / dpa / Kay Nietfeld

Unter politischem Druck und von einer neuen Silicon-Valley-Vision beflügelt, könnte der Facebook-Konzern seinen Namen ändern wollen. Eine Einordnung und ein Vorschlag.

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          Unter dem wissenschaftlichen Namen Meta führt die Arachnologie die Gattung der Höhlenradnetzspinnen, die, folgt man Wikipedia, in der Nähe von Höhleneingängen in einer Zone des Zwielichts lebt: „Sie sind Lauerjäger, die ihre Beute mit Hilfe von Radnetzen erbeuten, verlassen aber teilweise auch aktiv das Netz und jagen frei an den Höhlenwänden.“ Es kann kein Zufall sein, dass Visionäre des Silicon Valley dieses Präfix gewählt haben, wenn sie sich anschicken, künftig zur freien Jagd aktiv das Netz zu verlassen.

          Metaverse“ heißt ihr Buzzword für ein digitales Verbundensein der Menschen und der Dinge, der Datenströme und Verwaltungsvorgänge in der analogen wie der virtuellen Realität und ihren Mischformen ohne spürbares Onlinesein. Das Konzept fasziniert das Silicon Valley seit geraumer Zeit, allen voran Mark Zuckerberg, der sein Versprechen von zehntausend neuen Arbeitsplätzen in Europa nicht allein unter wachsendem politischen Druck auf seinen Konzern nach den Enthüllungen von Frances Haugen, sondern auch mit Blick auf diese Vision gegeben haben wird.

          Mit seinen Infrastrukturprojekten oder mit der Übernahme von Whatsapp und Instagram, deutlicher noch mit Zukäufen im Bereich Virtual-Reality-Hardware und Hirn-Computer-Schnittstellen bereitet sich Facebook darauf vor, in diesem kommenden Metaverse eine zentrale Position einzunehmen. Kein Wunder, dass dem Konzern bei diesen blütenweißen Ambitionen der eigene nicht mehr ganz unbefleckte Name nicht mehr so recht passen will. Wie das Technik­magazin The Verge unter Berufung auf Insider verbreitet, werde Mark Zuckerberg schon bald einen neuen Namen für sein Reich verkünden, in dem das soziale Netzwerk Facebook, mit dem einst alles begann, nicht länger als Namensgeber für das große Ganze fungieren soll. Nur: Wie soll es heißen?

          Zu welchem Ausmaß an Originalität der Konzern bei dieser Frage in der Lage ist, zeigt ein Projekt aus dem Frühjahr 2016: Damals hatte Facebook in Indien kostenlosen Zugang zu einer Reihe von Internetseiten einrichten wollen und das Angebot kurzerhand „Internet.org“ getauft. Im Herbst zuvor hatte Google vorgemacht, dass Bescheidenheit bei der Namenswahl keine Zier sein muss, und sein Geschäft unter eine neu gegründete Dachgesellschaft namens Alphabet gestellt.

          Unser Vorschlag: „A und O“. Damit blieben nicht nur die zentralen Vokale des ursprünglichen Namens wie auch der netzaffinen Arachnologie erhalten, er würde auch Googles Beschränkung auf die ersten Buchstaben des griechischen Alphabets durch einen umfassenderen Griff auf den ersten und den letzten überflügeln. Die sakrale Anspielung käme dem Konzern bestimmt ebenfalls zupass. Nach einer möglichen Umbenennung gefragt, ließ Facebook wissen, es kommentiere Gerüchte und Spekulationen nicht. Das ist nur konsequent: Immerhin hat das Unternehmen seine Milliarden auch damit gemacht, Gerüchte und Spekulationen unkommentiert zu verbreiten.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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