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Chorsingen und Corona : Singen ist gar nicht so gefährlich

Auf das Sozialverhalten kommt es vor allem an: Chor beim traditionellen Liederfest in der litauischen Hauptstadt Vilnius Bild: Picture-Alliance

Chören wird wegen der möglichen Infektion durch Tröpfchen und Aerosole die Arbeit unter Pandemiebedingungen besonders schwer gemacht. Doch medizinische Gutachten legen nahe, dass es einfacher ginge.

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          Schauergeschichten werden gegenwärtig von vielen Medien verbreitet. In der Passionszeit, Anfang März, sei es bei Chorproben zu massenhaften Ansteckungen der Sänger mit dem Coronavirus gekommen. Immer wieder liest man in den letzten Tagen von einem Chor in Amsterdam, bei dem sich 102 von 130 Sängern in einer Probe infiziert haben sollen, vier der Sänger seien inzwischen verstorben. Singen, Chorsingen zumal, gilt seither als besonders gefährlich, geradezu als tödliche Virenschleuder.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Dass das alles Unsinn sei, versucht eine Studie der Münchner Bundeswehr-Universität unter Federführung von Christian Kähler und Rainer Hain klarzustellen. „Bei Berichten, die das Singen als Erklärung für die Infektion großer Teile eines Chores anführen, sollte hinterfragt werden, ob nicht das Sozialverhalten der eigentliche Ursprung der Infektion ist“, schreiben die Autoren der Studie. „Wenn besonders kontaktfreudige Menschen andere Chormitglieder mit Umarmung und Küsschen begrüßen, sich in der Pause angeregt unterhalten, nach der Probe noch in geselliger Runde abendessen oder einen Wein miteinander trinken, bevor sie sich herzlich verabschieden, kann davon ausgegangen werden, dass dieses Sozialverhalten im Falle einer Infektion kritischer ist als das Singen selbst.“

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