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Barockes Opernhaus in Bayreuth : Hier könnte etwas Zukunftsweisendes entstehen

Eine Pracht aus Leinwand, Holz und Licht: der Zuschauersaal des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth Bild: Lukas Barth/EPA-EFE/REX/Shutterstock

In Bayreuth ist das Opernhaus der Markgräfin Wilhelmine aus dem Jahr 1748 wiedereröffnet worden. Warum ist bislang nur eine Gelegenheitsbespielung geplant? Wie Leben in den Weltkulturerbe-Bau kommen könnte.

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          Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, geborene Prinzessin von Preußen, Tochter des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I., Lieblingsschwester des späteren Königs Friedrich II., konnte in puncto Egozentrik den Männern ihres Standes und ihrer Zeit Paroli bieten. Sie kannte alle Mittel der Kunst, sich selbst ins rechte Licht zu setzen, nämlich jenes der Selbstlosigkeit. Im neuen Schloss von Bayreuth kann man eigenhändige Pastelle von ihr studieren, auf denen sie, in recht talentvoller Nachahmung der Manier von Raphael Mengs übrigens, Frauenfiguren zeigt, die sich für Glauben, Familie und Vaterland geopfert haben: Lucretia mit dem Dolch am Herzen, Kleopatra mit der Schlange am Busen, Pero im Gefängnis, mit ihrer Brust den gefangenen Vater Cimon nährend.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Fährt man dann – was man unbedingt tun sollte, wenn man in Bayreuth, dieser zauberhaften Residenz, ist – die Königsallee stadtauswärts, vorbei an der Rollwenzelei, jenem Gasthof, in dem der Romancier Jean Paul sich manche Flasche durch den Kopf goss, hinauf zum Schloss Eremitage, so setzt sich das Bildprogramm plakativer Selbstlosigkeit im Damenflügel Wilhelmines fort. An den Decken der Räume sieht man Römerinnen, die den Galliern allen Schmuck und sich selbst darbringen, um die Stadt vor Plünderung zu schützen; dann folgt der Abschied der Prinzessin von Sparta, die ihrem Ehemann nachschreitet, aber dem Vater einen wehmütigen Blick zurück schenkt. Alles mythische Spiegelbilder der Herrscherin.

          Wilhelmine war schon als Dreijährige von ihrer Mutter dazu bestimmt worden, auf den englischen Thron zu heiraten. Ihre ganze Erziehung zielte darauf ab. Doch ihr Vater bezichtigte sie der Mitwisserschaft bei den Fluchtplänen des Kronprinzen Friedrich. Und so, wie er dessen Freund Hans Hermann von Katte köpfen ließ, köpfte er auch die königlichen Ambitionen seiner Tochter – die er zuvor nur „die englische Canaille“ genannt hatte – und gab sie dem Erbprinzen Friedrich von Bayreuth zur Frau. Die Königin in spe wurde zur Markgräfin degradiert. Wilhelmine fügte sich, aber sie unterstrich ihren königlichen Rang, wo sie nur konnte. Und sie ließ sich durch Mann und Bruder finanziell für das entschädigen, worauf sie verzichten musste.

          Wer es vorher nicht wusste, merkt es spätestens jetzt

          Das Prunkstück dieser Kompensation ist das Markgräfliche Opernhaus, 1748 von einem der berühmtesten Theaterarchitekten Europas, Giuseppe Galli Bibiena, errichtet, das Wilhelmine als Intendantin leitete und für das sie, bis zu ihrem frühen Tod 1758, Libretti schrieb und Musik komponierte. Es ist mit einer Bühne von 25 mal 27 Metern und einem Saal mit 450 Plätzen im Parkett und drei Logenrängen das größte erhaltene barocke Opernhaus dieser Art. Alle anderen – Schwetzingen, Bad Lauchstädt, Drottningholm – sind entweder kleiner, zerstört oder umgebaut worden. Der Film über den Kastraten Farinelli wurde hier gedreht, 2012 erhielt der Bau den Weltkulturerbestatus der Unesco, von 2013 an wurde das Haus für knapp dreißig Millionen Euro vom Freistaat Bayern aufwendig saniert.

          Mit einer Bühne von 25 mal 27 Metern und einem Saal mit 450 Plätzen im Parkett und drei Logenrängen ist es das größte erhaltene barocke Opernhaus dieser Art. Bilderstrecke
          Mit einer Bühne von 25 mal 27 Metern und einem Saal mit 450 Plätzen im Parkett und drei Logenrängen ist es das größte erhaltene barocke Opernhaus dieser Art. :

          Nun sieht man die hellen, heiteren Farben im Innern wieder; die Bühne hat eine moderne Maschinerie, nachdem die barocke 1962 zerstört worden war. Wer es vorher nicht wusste, merkt es spätestens jetzt: Dieses Haus ist ein Wunder.

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