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Barockes Opernhaus in Bayreuth : Hier könnte etwas Zukunftsweisendes entstehen

Ein dringlicher Musiktheaterabend wollte es nicht werden

Zur Eröffnung war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gekommen, begrüßte nonchalant „die weltlichen und wirklichen Hoheiten“; mit Letzteren meinte er Herzog Franz von Bayern sowie Prinz Georg Friedrich von Preußen nebst Gattin Prinzessin Sophie. Die Staatsoper in Berlin hatte es ja nicht über sich gebracht, den Chef des Hauses Hohenzollern zu ihren Wiedereröffnungsfeiern im vergangenen Jahr einzuladen. In Bayern ist man da souveräner. Die Eröffnungsinszenierung vermengte Material aus den zwei Opern, die auch 1748 schon gespielt worden waren: „Ezio“ und „Artaserse“ von Johann Adolph Hasse. Doch der Regisseur Balázs Kovalik erzählte mit diesem Material die traumatische Kindheit von Wilhelmine und Friedrich unter ihren intriganten Eltern. Anja Silja, einstmals bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth als dramatischer Sopran gefeiert, sprach dazwischen Texte aus den Briefen und Memoiren der Wilhelmine.

Alles klug gedacht, aber ein dringlicher Musiktheaterabend wollte nicht recht daraus werden. Man hätte, um die Familiengeschichte zu erzählen, gleich Wilhelmines eigene Oper „Argenore“ über geschwisterliche Liebe und einen despotischen Vater wählen sollen, die hier schon 2009 zu erleben gewesen war. Auch konnte die Hofkapelle München unter der Leitung von Michael Hofstetter nur selten den bezwingenden Charme und die unwiderstehliche Süße der Musik Hasses zum Leben erwecken, vielleicht auch, weil die Stimmen der Studenten von der Theaterakademie August Everding noch auf dem Weg sind, in Technik wie Ausdruck zu reifen.

Jetzt müsste noch Intendantenintelligenz hinzukommen

Nun hat man dieses herrliche, unvergleichliche Haus hier, das Bayreuth auch abseits von Richard Wagner zu einer Musikstadt von internationaler Strahlkraft machen könnte. Doch dazu müsste groß und mutig gedacht werden. An dieses Haus gehört ein Institut nach dem Vorbild des französischen Centre de musique baroque de Versailles. Ein Institut, das die musikalische Ausbildung verknüpft mit der wissenschaftlichen Forschung, der Erstellung von Notenmaterial und der Produktion von Aufführungen – nicht zwingend mit eigenem Ensemble, aber in Kooperation mit führenden Interpreten der Welt.

Die Umgebungsbedingungen wären so schlecht dafür nicht. Es gibt bereits das Forschungsinstitut für Musiktheater an der Universität Bayreuth, es gibt hervorragende Forschungsarbeit von Sabine Henze-Döhring über die Hofmusik Wilhelmines von Bayreuth wie über deren Bruder Friedrich den Großen als Monarch und Musiker (eines der wenigen Sachbücher im Friedrich-Jahr 2012, in dem wirklich Neues zu lesen stand, nämlich stichhaltige Belege für die fachliche Exzellenz des Königs auf musikalischem Gebiet); es gibt neue Studiengänge für alte Instrumente und historische Aufführungspraxis an der Musikhochschule Nürnberg. Jetzt müsste noch Intendantenintelligenz hinzukommen. Dann könnte im Verbund aus Universität, Hochschule und Bayerischer Schlösserverwaltung in Bayreuth etwas Zukunftsweisendes entstehen, das über die bislang geplante Gelegenheitsbespielung hinausginge und diesem Traumhaus wirklich gerecht würde.

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