https://www.faz.net/-gqz-9zoqr

Präsenzlehre an Hochschulen : Wer nicht da ist, kann auch nicht stören

Deutsche Hochschulen werden in diesem Sommer wohl weitgehend leer bleiben Bild: dpa

In manchen Bundesländern ist den Hochschulen die Präsenzlehre wieder erlaubt. Doch sie zögern. Wird die Pandemie für die Aushöhlung der Präsenzuniversität genutzt?

          4 Min.

          Am schönsten ist es doch zu Hause. Für eine Lebensperiode, die für Aufbruch, Entdeckung und Unabhängigkeit steht, ist das eigentlich eine kuriose Formel. Wer wird später von einer Zeit schwärmen, die er im Wohnheimzimmer verbracht hat? Derzeit sieht es danach aus, als müssten sich Studenten noch eine Weile gedulden, bis sie wieder in die Seminare dürfen. In einigen wenigen Bundesländern ist Präsenzlehre wieder erlaubt. Doch die Hochschulen zögern. Die Universität Münster hat den Präsenzbetrieb gerade bis zum Ende des Sommersemesters ausgesetzt. Die einsame Entscheidung des Rektorats wurde dem Vernehmen nach einer „Dekanerunde“ vorgestellt, die sie noch abnicken durfte. Auch die hessischen Hochschulen, die wieder Präsenz zeigen dürfen, geben sich zurückhaltend. Während die Flexibilität beim spontanen Aufbau der Digitallehre allenthalben gelobt wird, scheint die Flexibilität der Präsidien und Rektorate beim Wiedereinstieg in die Präsenzlehre begrenzt.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Auch wenn sich die Stimmen mehren, die gegen alle Vernunft auf schrankenlose Selbstbestimmung pochen, irritieren die Entscheidungen: Traut man Studenten und Dozenten anders als Schülern nicht zu, den angemessenen Abstand einzuhalten? Lassen sich Seminare nicht ebenso krisengerecht organisieren wie Gottesdienste oder Restaurantbesuche? Bieten die großen Hörsäle nicht ideale Ausweichmöglichkeiten für Seminare? Der Eindruck drängt sich auf: Man darf, aber will nicht.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Streit mit Twitter : Zuckerberg stellt sich hinter Trump

          Die Plattformen sollten nicht der „Schiedsrichter der Wahrheit“ sein, sagt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und positioniert sich damit im Streit zwischen Twitter und Trump. Twitter-Chef Jack Dorsey kontert prompt.
          Der berühmteste Berg der Schweiz: Das Matterhorn

          Renationalisierung : Zuerst die Schweiz?

          Just in diesen heiklen Tagen und Wochen melden sich die Protektionisten zurück und rufen: Zuerst die Schweiz! Dabei hätte eine Renationalisierung für das kleine Hochlohnland schwere Folgen.