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„Wieder ein Krieg in Europa?“ : Wer solche Feinde hat, braucht keine Freunde mehr

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Ob man ihm die Schultern stärkt, indem man ihm in den Rücken fällt? Wladimir Putin gibt sich von jeder Seite unangreifbar. Bild: Getty

Wer über die Ukraine und Russland in Allgemeinplätzen nachdenkt, der kämpft nicht für den Frieden, sondern betreibt Kollaboration: Eine Antwort auf den von vielen Prominenten unterschriebenen Aufruf „Wieder Krieg in Europa?“

          Als einer der verruchtesten Diktatoren der Gegenwart im Dezember vor sein Wahlvolk trat, widmete Wladimir Putin einen beträchtlichen Teil seiner Rede der russischen „fünften Kolonne“, das heißt den sogenannten ausländischen Agenten, den „Verrätern“, die angeblich im Interesse der Feinde Russlands agieren. Die Paranoia des Alpha-Rüden aus dem Kreml ist hinlänglich bekannt.

          Wesentlich interessanter ist demgegenüber ein anderes mediales Ereignis, das in Deutschland stattgefunden hat, in jenem Land, das immer noch unschlüssig auf der Stelle tritt, ob es der Ukraine bei ihrer Verteidigung helfen oder lieber als Außenstehender entsetzt mit ansehen soll, was Russland treibt. Gemeint ist der offene Brief, der in der „Zeit“ erschien; ein Aufruf, den seine Autoren prätentiös mit „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ betitelten.

          Fehlendes Mitgefühl

          Herr Wenders, ich wende mich an Sie, weil Sie von allen, die diesen unsäglichen Brief unterzeichnet haben, der Einzige sind, den ich sozusagen kenne: Darin liegt die Kraft der Kunst, dass sie den Künstler seinem Publikum bekannt macht. Nie werde ich vergessen, wie bezaubert ich von Ihrem Film „Alice in den Städten“ war. Diese Bezauberung ist bis heute nicht verrauscht, für mich ist dieses meditative Kammerstück ein Meisterwerk, das seinen Platz in der Geschichte des Weltkinos sicher hat. Dieser Film lebt, weil er das Wichtigste in der Seele jedes Menschen anspricht, das Mitgefühl. Und Mitgefühl ist genau das, was dem von Ihnen unterzeichneten Brief fehlt!

          Dort findet man alles Mögliche: tiefschürfende Feststellungen, dass der Frieden gut sei und der Krieg schlecht; die kaum verhohlene Sorge um Sicherheit, also die europäische, deutsche und anscheinend auch Ihre eigene; Angst vor Putin und Unzufriedenheit mit Frau Merkel, die zu wenig Feingefühl für die Unzufriedenheit Russlands zeige (wobei Russland immer und mit allem unzufrieden ist, das liegt in seiner Natur). Nur eines fehlt: das Mitleid mit jenen friedlichen Menschen, die seit über einem halben Jahr getötet werden - von der regulären russischen Armee und ihren Sondereinheiten für Aufklärung und Sabotage sowie Söldnern, die zwar formal „unabhängig“ sind, aber vom Kreml versorgt und geführt werden.

          Niemand will Krieg

          Der von Ihnen mitunterzeichnete Brief ist erstaunlich oberflächlich und voller Allgemeinplätze. Jene, die ihn geschrieben haben, scheinen es gewohnt, viel zu reden, ohne dafür haftbar gemacht zu werden, das, was man bei Ihnen in Deutschland „Blabla“ nennt.

          Sie schreiben (Zitat): „Niemand will Krieg. Aber Nordamerika, die Europäische Union und Russland treiben unausweichlich auf ihn zu, wenn sie der unheilvollen Spirale aus Drohung und Gegendrohung nicht endlich Einhalt gebieten.“ Verzeihen Sie, wenn Nordamerika, die Europäische Union und Russland gemeinsam stur an der unheilvollen Spirale von Drohungen und Gegendrohungen drehen, wer ist dann dieser „Niemand“, der keinen Krieg will? Wo die Friedenstauben suchen - in Asien, Afrika, Lateinamerika? Warum zählen Sie das menschenverachtende, in Richtung Faschismus abdriftende Regime des neuen russischen Führers und die europäischen und nordamerikanischen Demokratien in einer Reihe auf wie Komplizen, nur durch Kommata getrennt? Sehen Sie da keinen Unterschied?

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