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Experten in der Pandemie : Wenn Wissenschaft zu Ideologie wird

  • -Aktualisiert am

Seite an Seite: Wissenschaftler Christian Drosten und Politiker Jens Spahn bei einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr Bild: AP

In der Corona-Krise verschmilzt die Figur des Experten mit der des Aktivisten. So entsteht der Eindruck, in Forschungsbefunden liege der Schlüssel zu politischem Handeln. Für die Demokratie ist das gefährlich. Ein Gastbeitrag.

          15 Min.

          Im Jahr 2003 klagte die renommierte Wissenschaftsforscherin Sheila Jasanoff, die öffentlichen Vorstellungen über Experten seien „unkritisch und theoretisch uninformiert“, geprägt vom schablonenhaften Gegensatz eines „elitistischen“ und eines „relativistischen“ Zerrbildes. Das elitistische Modell erhebe Experten zu Besitzern überlegenen Wissens, dem Entscheidungsträger zu folgen hätten; das relativistische degradiere sie zu bloßen Meinungsvertretern, die Politiker in ihrer Voreingenommenheit bestätigten. Das Problem, das Jasanoff zu Zeiten von George W. Bush beschrieb, hat sich mittlerweile massiv verschärft. In der jüngsten Krisenkaskade steigerte sich das elitistische Bild zur expertokratischen Illusion, Spezialisten seien die besseren Krisenpolitiker, während das relativistische Bild zur populistischen Illusion gerann, das Volk wisse sich ohne Experten am besten zu helfen.

          Die Krux ist, dass sich beide Seiten in ihren Illusionen bestärken. Populisten nutzen das expertokratische Zerrbild, um das Schreckgespenst einer Expertenherrschaft an die Wand zu malen, Expertokraten das populistische, um Expertenaussagen der demokratischen Diskussion zu entziehen. Ein wichtiger Treiber der Polarisierung ist der Rollenwandel, den wissenschaftliche Experten in der Klima- und Corona-Krise durchlaufen haben.

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